Demokratie lernen

Sehr geehrte Damen und Herren Journalisten, sehr geehrte Journaille,

Ihr übt einen wichtigen Beruf aus, für den Ihr gut ausgebildet wurdet. Ihr wisst, worauf es bei einem Essay ankommt, könnt Eure Leser noch das entfernteste Szenario in einer Reportage miterleben lassen und kennt die Ws, die eine Nachricht erst vollständig machen.

Was in Eurer Ausbildung anscheinend nicht vorkam, war Demokratie. Nein, nicht Wahlkampfberichterstattung, nicht Umfragen, nicht die tausendste Erklärung zu Erst- und Zweitstimme bei der Bundestagswahl.
Demokratische Abläufe als solche darzustellen, scheint nicht in Mode zu sein. Da wird eine Wahl, zu der sich mehr als ein Kandidat aufstellen lässt, zur Kampfabstimmung, die unterschwellig gern mit alles zersetzender Anarchie gleichgesetzt wird. Da werden Abgeordnete, die dem Grundgesetz nach ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet sind, zu Abweichlern, wenn die Parteiräson eine gewissenlose Abstimmung erfordert. Da wird die Prüfung der Europäischen Kommission zum Debakel, weil bei einer Kandidatin Zweifel an ihrer Eignung bestehen.

Warum sollten tagelange Gespräche (auf Steuerkosten) mit Kandidaten stattfinden, wenn die Möglichkeit, einen abzulehnen, nur auf dem Papier bestünde? Was ist verwerflich daran, wenn die Wählerinnen die Wahl zwischen mehreren Kandidaten haben? Ist Art. 38 Zif. 1 des Grundgesetzes bekannt?

In den Redaktionen wird gespart, vor allem am Personal. Immer weniger Redakteure sollen immer mehr Arbeit leisten. Da ist es einfach und zeitsparend, die Meldungen der großen Agenturen zu übernehmen. Ist es wirklich genauso einfach, das eigenständige Denken dabei abzustellen?

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Ein Kommentar

  1. Ist es tatsächlich immer so, dass die Journalisten ihr eigenständiges Denken abschalten? Ist es nicht eher oft so, dass sie durch die Art und Farbe ihrer Berichterstattung die Bevölkerung so manipulieren, dass deren eigenständiges Denken eingenebelt wird? Regierungen steigen oder fallen in der Gunst der Wählerschaft auf Grund dessen, was und wie Journalisten berichten. Eigenes Denken? Das wird häufig verwechselt mit eigener persönlicher Meinung. Während diese in bestimmten Sparten des Journalismus durchaus ihr zuhause hat, gehört sie nicht in die objektive Berichterstattung.

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