Nachlese: Landtagswahlen in NRW

Nun ist es also amtlich, was in den letzten Wochen vor der Wahl außer Jürgen Rüttgers jeder ahnte: Die schwarz-gelbe Koalition in NRW wurde abgestraft. Zum Teil liegt das mit Sicherheit an der katastrophalen Koalitionsarbeit auf Bundesebene – der Anteil der Hotelbesitzer an den Wahlberechtigten beträgt nun einmal nicht achtzehn Prozent.

Zehn Prozentpunkte weniger Stimmen für die CDU – das ist eine deutliche Botschaft: Die Kompetenz der Partei und des Ministerpräsidenten, auf die der Wahlkampf aufgebaut hat, haben die Wähler so ganz offensichtlich nicht gesehen – abgewählt!

Die SPD hat ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Landtagswahl noch mal leicht verbessert: Das historische Tief von 2005 konnte 2010 noch um 2,6 Prozentpunkte unterboten werden. Trotzdem geriert sich die Partei als Gewinner der Wahl, und die Medien machen fleißig mit. Gut – wenn man von „Progonose unterirdisch“ zu „schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten in NRW“ aufholt, ist das immerhin eine Leistung. Eine Partei, die sich damit zufriedengibt und gar als Wahlsieger betrachtet, sollte trotzdem dringend nicht nur an ihrer Selbstwahrnehmung arbeiten. Ob ein solcher Realitätsverlust als Empfehlung für die Fähigkeit gesehen werden kann, die Probleme in NRW zu bewältigen … ich weiß ja nicht.

Die FDP hat den Denkzettel bekommen für Hartz-IV-Hetze und Klientelpolitik. Vor allem ihr Vorsitzender Guido Westerwelle sollte mal intensiv darüber nachdenken, ob er wirklich alles in ein Mikrofon sprechen muss, was ihm so durch den Sinn geht. Oder vielleicht sollte er es doch dabei belassen, denn so weiß man wenigstens, warum man diese von ihm abgewirtschaftete Partei auf keinen Fall wählen sollte.

Echte Wahlgewinner sind die Grünen mit der Verdopplung ihrer Anteile und die Linken, die auf Anhieb den Sprung in den Landtag geschafft haben. Weder mit 12,1 noch mit 5,6 Prozent kann man allerdings so richtig frei von der Leber weg regieren.

Schon wird die große Farbenlehre ausgepackt und fleißig gewürfelt, sowohl vor als auch hinter den Kulissen. Fast so spannend wie der Wahltag selbst wird nun die Frage, wer unter wem mit wem die Regierung stellt.

nachgetragen

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2 Kommentare

  1. firecloud

     /  11. Mai 2010

    Das ist ja fast so spannend wie augenblicklich bei uns im Vereinigten Königreich. Der einzige Unterschied ist, daß man hier fast keine Erfahrungen mit Koalitionen und Koalitionsverhandlungen hat und somit die dubiose Aussicht auf Neuwahlen vor Jahresende besteht. Die wenigen Koalitionen, die es hier auf nationaler Ebene gegeben hat, sind innerhalb kürzester Zeit den Bach runterggegangen. Im Gegensatz dazu ist bei Euch wenigstens davon auszugehen, daß NRW in einigen Tagen eine regierungsfähige Regierung hat…

    Antwort
    • Ging doch jetzt ganz fix bei Euch 🙂
      Bin ja gespannt, wie es in NRW weitergeht. Die FDP hat sich ja jetzt mit ihrem Größenwahn ins Abseits geschossen. Und das ist gut so.

      Antwort

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