Die Geschichte vom edlen Jürgen

Es war einmal ein schönes, reiches Land. Dort lebte der Jürgen. Er war ein unauffälliger Mensch: mittelalt, verheiratet, weder besonders gut aussehend noch besonders hässlich. Er diente seinem Land, indem er als Mitglied der großen Versammlung half, das gewöhnliche Volk zu regieren.

Alles wäre gut gewesen, hätte der Jürgen nicht ein Hobby gehabt, das in seinem Land verboten war: Er sammelte fiese kleine Bilder. Nun traf es sich, dass er zum Beauftragten für genau dieses Thema ernannt wurde. Das freute ihn sehr, denn nun war er sicher, dass er sein Hobby ganz friedlich und unbelästigt von den bestehenden Gesetzen ausüben konnte. Wenn ihn jemand erwischte, würde er einfach sagen, dass er diese Sammlung nur angelegt hätte, um zu recherchieren und seinem Land im Kampf gegen die fiesen kleinen Bilder zu helfen. Er legte sich einen ganz tollen Satz zurecht, den er bei Bedarf der Öffentlichkeit sagen würde. Er wollte sagen: „Ich habe mich in den stinkenden Schweinestall begeben, um ihn auszumisten.“ Er war sicher, dass das gewöhnliche Volk dann gar nicht anders konnte, als seine edlen Absichten zu erkennen und ihn zu ehren.

Blöderweise vergaß er dabei, dass es für andere seltsam aussehen würde, dass er sich zwar dauernd im stinkenden Schweinstall aufhielt, dabei aber das Ausmisten komplett vergaß. Auch kam er gar nicht auf die Idee, dass sich vielleicht jemand fragen würde, ob er denn den stinkenden Schweinestall ganz allein, ohne die Hilfe der dafür zuständigen Polizisten, ausmisten wollte.

Als der edle Jürgen eines Tages erwischt wurde, hatte er keine Angst. Er hatte ja seinen tollen Satz und konnte weiterhin ruhig schlafen. Er freute sich sogar schon richtig auf das Lob und die Bewunderung, die ihm für seine edlen Taten zuteil werden würden.

Es kam aber ganz anders, als der Jürgen geglaubt hatte. Die Richter stellten nämlich genau die Fragen, die er vergessen hatte. Noch dazu wurde er daran erinnert, dass auch er sich an die Gesetze halten müsse, die seiner Meinung nach nur für das gewöhnliche Volk galten. Und so bewirkte sein toller Satz, auf den er vertraut hatte, das Gegenteil. Niemand hielt ihn für so edel wie er sich selbst, und er wurde nach den Gesetzen seines Landes bestraft.

Merke: Halte niemals alle anderen für blöd, wenn du Gesetze übertrittst. Das ist schon bei Christoph Daum und Uwe Barschel schiefgegangen.

nachgetragen


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2 Kommentare

  1. Schreibtischtäter

     /  31. Mai 2010

    Irgendwie ist ein bißchen so, wie wenn ein Banker eine Bank überfällt und nachher vor Gericht sagt, daß er das nur gemacht hat, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern.

    Obwohl bei genauerer Betrachtung ist es auch wieder nicht so, denn Banker sind einfallsreicher und lassen sich normalerweise beim Sammeln „kleiner Bilder“ (auf Geldscheinen) nicht erwischen.

    Antwort
  1. Was die Medien zu berichten vergaßen « nachgetragen!

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