Ordnung muss sein

Interessant: Kaum erwähnt man das Wort „Vuvuzela“, schon wird’s eng im Blog. Es wird geklickt, gelinkt und kommentiert. Während ein Massaker im Irak oder die Ölpest niemanden hinter dem Ofen hervorlocken – nicht einmal diejenigen, die die Fußball-WM für ein Instrument zur fortschreitenden Verblödung zwecks leichterer Regierbarkeit des jeweils verblödeten (und ertaubten) Volkes halten.

Nichtsdestotrotz kommt hier heute keine Vuvuzela vor. Sondern Hühner. Die machen im Zweifelsfall deutlich angenehmere Geräusche (sofern man ihnen keinen Haken in den Fuß rammt, um sie kopfüber hängend am Fließband in die vollautomatische Hühnerköpfmaschine fahren zu lassen).

Nichts in diesem Lande darf unreguliert bleiben. Schon gar nicht das Halten von Hühnern. Und so kann es nicht angehen, dass ein Mensch zwei Hühner auf seinem Balkon hält. (Dass dieser Mensch ein sogenannter Hartz-IV-Empfänger ist, wird in jedem Artikel erwähnt, aber nicht, warum das für den Sachverhalt von Belang sein soll. Dass es sich bei „Hartz IV“ um Arbeitslosengeld II handelt, hat sich bei den Medienmachern wohl auch noch nicht herumgesprochen.)

Das Amtsgericht Köln hat also nun diesem Menschen verboten, auf seinem Balkon zwei Hühner zu halten. Bis hierhin alles wie gehabt. Nachbarn beschweren sich (Natur bitte nur im Fernsehen und Tiere nur im Zoo), das Gericht schreitet ein. Auch das Urteil bringt nichts Überraschendes: Motzende Nachbarn und klagender Vermieter kriegen Recht. Man könnte getrost weiterblättern – wäre da nicht die Urteilsbegründung. Zitiert aus der Rheinischen Post: „Laut Urteil gehören Hühner im ,hiesigen Kulturkreis’ in einen Stall und nicht auf einen Balkon. Auf einem Balkon haben die Tiere aus Sicht des Gerichts keinerlei Auslauf …“

Ähm … bitte? Hühner brauchen Auslauf? Und warum sitzen sie dann (im günstigen Fall) auf 893 Quadratzentimetern (das ist eine Fläche von ca. 30 x 30 cm, ein DIN-A4-Blatt hat Seitenlängen von 21 x 29,7 cm) – unter großem Getöse aufgestockt von den bisherigen 550 Quadratzentimetern (ca. 23 x 23 cm) und als der große Tierschutzknaller verkauft – wenn sie der Deutschen täglich Frühstücksei legen müssen?

Alles zum Wohle des Tieres, selbstverständlich, mit Geld oder Wirtschaftsmacht hat das gaaar nichts zu tun. Viele Grüße an die Richter in Köln. Und guten Appetit.

nachgetragen

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2 Kommentare

  1. Leider erst heute gefunden – krasses Urteil, aber sehr typisch. Selbst Hühner halten? Wo kämen wir denn da hin.
    Wurden die Hühner i.Ü. der ARGE gemeldet? Ist doch Vermögen!^^

    Antwort
    • Ich habe kaum Zweifel, dass umgehend der Vermögenswert der Hühner ermittelt und angerechnet sowie möglicherweise gelegte Eier vom monatlichen Satz abgezogen wurden …

      Antwort

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