Krokodilstränen

Nun ist es also raus: Die schlimmste Umweltkatastrophe der US-Geschichte ist „das direkte Ergebnis rücksichtsloser Entscheidungen und Aktionen von BP“. Behauptet jedenfalls der Miteigentümer Anadarko, ein US-amerikanischer Erdölkonzern. Weiterhin wird deren Chef James Hackett zitiert, im Umgang mit den Sicherheitsvorschriften für die Ölbohrung habe sich BP entweder „schwerwiegende Fahrlässigkeit oder bewusstes Fehlverhalten“ zuschulden kommen lassen.

Es ist wirklich sehr lobenswert, derartige Missstände aufzudecken. Vielen Dank dafür, Mr. Hackett. Ihre Krokodilstränen kommen allerdings einen winzigen Hauch zu spät. Warum haben Sie nicht früher etwas gegen diese Ihnen offenbar bekannten Missstände unternommen? Als 25-prozentiger Miteigentümer haben Sie doch sicher auch einiges zu sagen? Oder hat man einfach nicht auf Sie gehört? Aber warum haben Sie sich denn nicht an die Behörden oder an die Öffentlichkeit gewandt in Ihrem edelmütigen Bestreben, Fahrlässigkeit oder bewusstes Fehlverhalten im Umgang mit Sicherheitsvorschriften anzuprangern und abzustellen?

Ach so … Vorher sprudelten die Gewinne in Ihre Taschen und nicht das Öl ins Meer. Wo es sich doch viel billiger produzieren lässt, wenn man diese lästigen Sicherheitsvorschriften, sagen wir mal, großzügig auslegt. Hätte ich Dummerchen ja auch gleich draufkommen können. Tut mir so leid, ich wollte Sie natürlich nicht als Heuchler dastehen lassen, Mr. James Hackett von Anadarko, Miteigentümer der Ölförderanlage „Deepwater Horizon“, deren Explosion und Untergang die Ursache für qualvolles Verrecken ungezählter Tiere und Vernichtung der Lebensgrundlagen ebenso ungezählter Menschen ist. Nur gut, dass Sie dafür überhaupt kein bisschen verantwortlich sind und weiterhin mit reinem Gewissen schlafen können.

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P.S.: Sollten Sie oder BP Bedarf an einem neuen Vorstandsvorsitzenden haben, betrachten Sie dies bitte als Bewerbung. Ich bin weder Ingenieur noch Meeresbiologe und ich verspreche, niemals einen Fuß auf eine Bohrinsel zu setzen. Auch leide ich öfter mal unter partieller Amnesie. Und wenn es kritisch wird, überlasse ich das Krisenmanagement gern und ohne Widerspruch anderen und regeniere mich ganz still auf meiner Segelyacht. Im Erfinden von blöden Ausreden kann ich außerdem mit Mr. Hayward locker mithalten. Möglicherweise bin ich ein kleines bisschen zu wenig skrupellos, aber das lerne ich sicher schnell (oder wird man so geboren?). Ich denke, damit bin ich für den Posten bestens geeignet und freue mich auf die baldige Ernennung.

nachgetragen

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