Verantwortung? Los, übernehmen Sie, Herr Sauerland!

Am letzten Samstag kamen bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg Menschen ums Leben, das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Die Frage nach der Schuld an den Geschehnissen wird nun erforscht und in der Zwischenzeit munter hin- und hergeschoben. Dass Politiker keine politische Verantwortung mehr für das übernehmen, was in ihrem Verantwortungsbereich geschieht, ist ja heutzutage üblich (was schlimm genug ist).

Dass aber der Oberbürgermeister der Stadt, in der dieses Unglück passiert, sich hinstellt und behauptet, die Geschehnisse seien „wahrscheinlich auf individuelle Schwächen einzelner“ zurückzuführen, ist glücklicherweise noch nicht üblich und kann nur eine Konsequenz bedeuten: Rücktritt.

Ein Mensch, der eine derart menschenverachtend-zynische Äußerung tätigt, die einen Fußtritt ins Gesicht aller Opfer, Überlebenden und Angehörigen darstellt, hat jedes Recht verwirkt, seine Mitmenschen zu regieren.

Egal, wie die Ermittlungen ausgehen, ob nun die Fluchtwege zu schmal waren oder deutlich mehr Menschen auf dem Gelände waren als eigentlich zulässig, und wer auch immer letztlich dafür die Verantwortung dafür trägt oder übernehmen muss – Ihre eigene, ganz persönliche Verantwortung für Ihre Worte werden Sie nicht mehr los, Herr Sauerland.

nachgetragen

Quellen, weitere Infos und Meinungen:

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Nachtrag 1 vom 27.7.:

So, ein Oberbürgermeister kann nicht zurücktreten? Und Sie schon gleich gar nicht, weil Sie ja die Verantwortung übernehmen wollen? Jetzt wüsste ich nur gern, wieso das nicht möglich sein soll, wenn Sie nicht mehr OB sind. Mir fallen dazu einige andere, logischere Erklärungen ein als die von Ihnen genannte, und die sind alle nicht schmeichelhaft.

RP-Online.de: Interview mit Duisburgs Oberbürgermeister: Sauerland: Mir sind keine Warnungen bekannt

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Nachtrag 2 vom 27.7.:

Hierzu bedarf es gar keiner weiteren Erläuterung:

Nachdenkseiten.de: Stellen wir uns vor, Duisburgs OB hätte Ypsilanti (SPD) und nicht Sauerland (CDU) geheißen

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Nachtrag 3 vom 27.7.:

Auch kein Kommentar nötig:

DerWesten.de: Bereits vier Wochen vor der Loveparade hat das Duisburger Amt für Baurecht massive Einwände gegen das vorgelegte Sicherheitskonzept erhoben. Das geht aus einem Sitzungsprotokoll hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

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3 Kommentare

  1. firecloud

     /  27. Juli 2010

    Der Duisburger OB hat sich nicht erst durch seine verachtenden Äusserungen als zum Regieren unfähig offenbart, sondern bereits mit der Entscheidung, die Love Parade an einem zu begrenzten Ort stattfinden zu lassen, dessen einziger Zugang von vielen Menschen bereits im Vorfeld als mögliche Todesfalle erkannt worden war.

    Beim Lesen der Kommentare in Deinem Link: ‚DerWesten.de: die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten? (Kommentar zu einem Artikel vom 22.(!)7.)‘, die bereits am Donnerstag vor dem Musikfest geposted worden sind, bekomme ich eine Gänsehaut.

    Traurig für die Angehörigen der Toten, traurig für die Verletzten und deren Familien, traurig für die Besucher, die sich auf eine fröhliche Party gefreut hatten. Traurig für die Hilfskräfte, die auf irgendeine Weise mit der schlechten Organisation der Love Parade fertig werden mussten.

    Traurig auch (wenn auch vernünftig), dass die Fehlentscheidung, ein so grosses Musikfest in Duisburg auf dem ehemaligen Güterbahnhof zu halten, nun dazu geführt hat, dass es dieses populäre Event in Zukunft nun nicht mehr geben wird.

    Als Hinterlassenschaft ist all dies für die Stadt erdrückend genug, ein Neustart ist dringend nötig.

    Antwort
    • Von Vorverurteilungen halte ich nicht viel. Wer nun letztendlich zu verantworten hat, was passiert ist, kann ich nicht beurteilen – ich war nicht dort und auch bei den Vorbereitungen nicht dabei.

      Von allen Teilnehmern war jedenfalls bis jetzt zu hören, dass es auf dem Gelände selbst keine Platzprobleme gab.

      Eine Veranstaltung mit so vielen Menschen ist immer ein Risiko, und Feuerwehr und Polizei haben deshalb immer Bedenken und wären froh, wenn es solche Veranstaltungen nicht gäbe, was man ihnen nicht verdenken kann.

      Dass der OB politisch verantwortlich ist, daran besteht allerdings kein Zweifel und das reicht in meinen Augen als Rücktrittsgrund völlig aus.

      Nun scheint sich herauszustellen, dass er auch noch lügt:
      http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Ruecktrittsforderungen-gegen-Sauerland-immer-lauter-id3297152.html

      Auch der Artikel in meinem Nachtrag 3 disqualifiziert den OB: Entweder lügt er auch hier, weil er entgegen seinen Aussagen doch von den Sicherheitsbedenken wusste, oder er wusste wirklich nichts davon, was seine Unfähigkeit belegen würde.

      Und dann stehen da immer noch die Worte von der „individuellen Schwäche“ im Raum.

      Eigentlich müsste ihm sein Sessel schon unter dem Hintern brennen. Von der geplanten Trauerfeier hält er sich ja aus gutem Grund schon fern. Hoffen wir, dass er das mit dem Rathaus bald genauso macht.

      Antwort
  1. Rücktritt? Da war doch noch was … « nachgetragen!

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