Analphabeten und kluge Köpfe

„Wir brauchen die klügsten Köpfe und bekommen Analphabeten“, meint Hans-Peter Uhl*. Das ist wirklich richtig blöd, dass wir, und da muss ich dem Herrn Uhl – was bisher noch nie vorgekommen ist  – tatsächlich mal recht geben, für unsere Regierungen keine besseren Exemplare auftreiben können.

Zuletzt war es ja Uhls Parteigenosse Seehofer, der seine Fähigkeit zur Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift nicht hinreichend belegen konnte. Er hatte gesagt: „Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.“ Eine völlig klare Aussage. Meinen alle. Außer Seehofer. Der will „ausschließlich zu der Frage Stellung genommen (haben), ob zusätzliche ausländische Fachkräfte nach Deutschland kommen sollen“. Jo mei, warum hat er denn bloß was ganz anderes gesagt?

Die Geschichte des rhetorischen Ausflusses bei den sogenannten Eliten ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Auch der gute Thilo Sarrazin ist ja eigentlich immer nur missverstanden worden. Was wohl daran liegt, dass auch er nicht in der Lage ist, sich in seiner Muttersprache auszudrücken, wenn er sagt „Juden teilen ein bestimmtes Gen“ und damit meint, dass er eigentlich auf kulturelle Unterschiede verweisen will.

Selbst Bundespräsident kann man werden, ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein. Wenn Horst Köhler sagt, „dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen“, dann meint er damit alles, nur keine aktuellen militärischen Einsätze wie zum Beispiel in Afghanistan, in dem rein zufällig viel mehr Bodenschätze liegen als bisher angenommen.

Ob es Roland Koch, Wolfgang Schäuble, Cem Özdemir, Kurt Beck, Heiner Geißler, die FDP, oder ihr Vorsitzender Guido Westerwelle ist, der stellvertretend für Nicolas Sarkozy ein Missverständnis darstellt: Sie alle scheinen nur mithilfe eines Mitarbeiterstabes von Sprechern und Richtigstellern in der Lage, mitzuteilen, was sie meinen. So viel zu den Analphabten. Und wo waren jetzt gleich die klugen Köpfe? Der zitierte Hans-Peter Uhl kann davon keiner sein, denn wer Klugheit am Alphabetisierungsgrad misst, scheidet ganz schnell aus.

* innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 11. Oktober im Kölner Stadtanzeiger

nachgetragen

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