Neulich in Berlin …

… während der Kabinettssitzung:

A.: Meine lieben Mitregierenden, heute steht mal wieder die Aufgabe an, festzustellen, wo wir noch ein bisschen Geld herausquetschen können.

Beifälliges Murmeln.

A.: Wie wir ja alle wissen, war das Ziel von G.s Indienreise nicht, ein Foto mit Kopftuch von ihm zu bekommen, sondern die richtigen Leute mitzunehmen und im Flieger die entscheidenden Gespräche zu führen.

Nicken.

A.: Leider hat das der H. ja nicht so recht umgesetzt, unser G. dafür umso besser. Als Ergeb–

G.: Vielleicht darf ich das doch lieber selbst darstellen, ich war schließlich dabei und, nehmen Sie es mir nicht übel, liebste A., nicht Sie.
Auf meiner kürzlich absolvierten Indienreise habe ich, wie bereits gesagt–

A.: Ich erteile hiermit G. das Wort.

Strafender Blick von G.

G.: Um es kurz zu machen: Mehrere nicht genannt werden wollende gute Freunde unserer Person aus der Industrie haben uns während unserer Indienreise zu verstehen gegeben, dass sie ihre sämtlichen Stahlwerke, Aluminiumhütten und Chemiefabriken noch in diesem Jahr abbauen und in Indien wieder aufbauen werden, falls die Ökosteuer wie geplant umgesetzt wird. Sofort war uns klar, dass wir das nicht zulassen können und für die 800.000 Arbeitnehmer in diesem Lande, die das betrifft, wie immer selbstlos kämpfen werden.

Beifälliges Murmeln, von ganz hinten applaudiert einer. G. neigt bescheiden das Haupt.

A.: Und da bin ich mit unseren lieben G.s … ach, Quatsch … unserem lieben G. ganz einig. Wir werden also energieintensive Betriebe weiterhin subventionieren.

W.: Und wo soll das Geld dafür herkommen?

A.: Liebster W., um genau das zu beschließen, haben wir uns hier und heute versammelt.

W. brummelt vor sich hin.

A.: Vorschläge?

P.: Wir könnten doch die Krankenkassen-Beiträge … oder die Zuzahlungen …

A.: Nu halten se mal den Rand, P., Sie haben uns mit Ihren Ideen schon genug Stimmen gekostet. Weitere – blickt auf P. – durchführbare Vorschläge?

P. schmollt. Nachdenkliches Schweigen in der Runde

T.: Ich brauch mal ne Raucherpause.

A.: T.! Sie sind ge-ni-al!

Verständnislose Blicke.

A.: Na, die Tabaksteuer! Wenn wir hier die Ertragslage optimieren, glauben doch alle, wir tun das, um das gesundheitsschädliche Rauchen zu unterbinden, und die alten Süchtigen – kurzer Blick in die Runde – können doch eh nicht aufhören und werden die Kassen füllen. Voilà!

Heftiger Applaus.

W.: Gut, dann müssen wir jetzt nur noch ein Konzept–

A.: Nicht nötig, lieber W., nicht nötig. Das hat doch die Tabakindustrie schon alles fix und fertig erstellt. Nachdem wir bereits bei Gesundheits- und Arzneimittelreformen beste Erfahrungen mit dieser Arbeitsteilung gemacht haben, bleiben wir selbstverständlich weiter dabei, das ist doch eine schöne Arbeitserleichterung.

Allgemeines entspanntes Zurücklehnen.

A.: Na, dann können wir ja Feierabend machen. Sicher wird niemand auf die Idee kommen, uns für den Erhalt von 870.000 Arbeitsplätzen zu tadeln. Reibt sich die Hände. S., rufen Sie als Erstes in Hamburg an, um das mit der Presse klarzumachen. Leise für sich: Wollen hoffen, dass die mal wieder spuren, das klappt ja in der letzten Zeit nicht mehr so richtig.

S. eilt beflissen davon.

A.: Und wir, meine Damen und Herren, sehen uns dann wieder am … ach, für so was hat man doch Mitarbeiter.

Steht auf und geht unter tosendem Applaus hinaus.

nachgetragen

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2 Kommentare

  1. Die Tabaksteuer wird noch so lange steigen, bis eine Packung 20 Euro kosten wird. Dann wird aber niemand mehr Zigaretten rauchen, weil es sich einfach nicht mehr lohnt.

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