Same procedure: Dioxin-Skandal, mal wieder

Da haben wir also mal wieder einen Skandal um dioxinverseuchte Eier. Ist ja an sich nichts Neues, aber wieder einmal ist schön zu sehen, wie das System funktioniert und wem es nützt.

Zunächst geht also wieder durch die Presse, dass dioxinbelastete Eier gefunden wurden. Haben Sie schon mal versucht herauszufinden, wo diese Eier herkommen? Da ist nichts zu machen, da halten alle einmütig dicht. Ist ja nicht so, als könnte man nicht innerhalb einer Minute anhand des Stempels auf dem Ei herausbekommen, wo es herkommt. Nützt einem nur nichts, weil Verbraucherschutz in Deutschland nur getarnter Industrieschutz ist.

Jetzt wurden 1000 Höfe gesperrt, auch das der Presse zu entnehmen. Welche Höfe mögen das sein? Tjaha, auch hier das übliche Spiel. Die Tatsache, dass dioxinbelastete Eier möglicherweise noch im Handel sind und ein Teil davon mit Sicherheit schon in den Mägen diverser Verbraucher gelandet ist, wird als unwichtige Randinformation in Nebensätze verpackt.

Es bleibt nur übrig, keine Eier mehr zu kaufen. Damit werden dann die Produzenten, die nicht beteiligt sind, quasi in Sippenhaft mitbestraft. Und letztlich setzt man wieder auf das schlechte Gedächtnis der Verbraucher. Das funktionierte bei allen bisherigen Lebensmittelskandalen hervorragend und wird es auch dieses Mal wieder.

Dann waren da noch 8000 Hühner, die „notgeschlachtet“ wurden (es werden sicher noch mehr Tiere werden). Natürlich nur, um die Verbraucher zu schützen, „um nicht in den Nahrungskreislauf der Menschen zu geraten“. Wie „gerät“ denn bitte ein Huhn in den Nahrungskreislauf? Das hat doch wohl primär was mit krimineller Energie oder Profitgier und nicht mit „aus Versehen in den Nahrungskreislauf geraten“ zu tun, wenn jemand derart vergiftete Tiere und/oder ihre Eier in den Nahrungskreislauf bringt .

Viel eher steht doch die Rechnung dahinter: kein Nutzen = kein Profit = kein Lebensrecht, ist ja bloß Nutzvieh. Man könnte allerdings, zynisch zwar, aber mit Wahrheitsgehalt, feststellen, dass es den geschlachteten Hühnern vermutlich jetzt besser geht als ihren unter erbärmlichsten Massentierhaltungsbedingungen über“lebenden“ Artgenossen.

SELBSTVERSTÄNDLICH bestand und besteht zu keiner Zeit irgendeine wie auch immer geartete Gefahr für die Verbraucher, selbst wenn sie dioxinbelastete Eier gegessen haben. Sie dürfen nur nicht auf die Idee kommen, sich genauer über Dioxin zu informieren, damit sie nicht unangenehme Sätze wie „Im Tierversuch war es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich. Die für Menschen tödliche Dosis ist nicht bekannt.“ finden.

Auf das nun einsetzende Erstaunen („Kann man sich nicht erklären, wie das passieren konnte“) und die allfällige Heuchelei („Da muss man was gegen tun“), könnte ich auch gut verzichten.

nachgetragen

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Update: Geht schon los …

Update 5.1.2011: Na, das ist ja tatsächlich mal was Neues:

  • Nordrhein-Westfalen sperrte am Dienstagabend vorsorglich 139 weitere Betriebe. Das Land veröffentlichte Kennnummern, anhand derer die Verbraucher dioxinbelastete Eier erkennen können. Sie sind jeweils auf die Schale gestempelt. (www.tagesspiegel.de)

Diese „Liste“ des Verbraucherschutzministeriums umfasst genau zwei (2) Betriebe. Die meinen das ja mal so richtig ernst mit dem Verbraucherschutz. Die anderen Nummern werden veröffentlicht, wenn auch diese Eier verkauft und verzehrt sind.
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2 Kommentare

  1. Schreibtischtäter

     /  4. Januar 2011

    Ah, wieder einmal eine Henne-Ei-Frage oder vielmehr eine Huhn-Futter-Frage? Denn die Hühner bekommen ihr Dioxin ja nicht durch aktive Atmung, sondern haben es ja wohl durch ihr Futter aufgenommen.
    Aber der arme, arme, arme niedersächsische Mischfutter-Hersteller wußte ja auch gar nicht, dass das Fett, das er zur Futterproduktion benutzt hatte, eigentlich nur zum Fetten von Maschinen verwenden durfte. Also trifft ihn ja eigentlich gar keine Schuld, oder?
    Übrigens: „Verbraucher- und Gesundheitsschutz hat Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen“, setzte gestern NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel klare Prioritäten. „Eine Verharmlosung von Dioxin in Lebensmitteln ist unverantwortlich“.
    Genau! Aber das ist ja eigentlich alles gar nicht so schlimm. Schließlich sind die Dioxin-Eier doch eh schon verzehrt. Und soviel Eier, dass man vom Dioxin krank werden könnte, isst doch sowieso niemand. Konnte man zumindest heute morgen von einem „Experten“ auf Hellweg-Radio hören. Hellweg-Radio wird übrigens aus Soest gesendet, der Stadt, wo die ersten Dioxin-Eier aufgetaucht sind.
    Ich ernenne mich jetzt auch mal zum Experten und behaupte: Experten haben auch keine Ahnung und quatschen häufig Müll!
    Sehr schön war übrigens die Formulierung im Soester Anzeiger, dass „bereits am 23. Dezember ein Legehennenbetrieb im Altkreis Soest teilweise gesperrt worden“ (http://www.soester-anzeiger.de/nachrichten/kreis-soest/soest/dioxin-huehnerfutter-betrieb-kreis-betroffen-1065316.html). Wieso eigentlich teilweise?

    Antwort
  1. Die Sprossen waren’s « nachgetragen!

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