Das böse K-Wort

Na, da hat die Frau Lötzsch aber was angerichtet. Sie hat tatsächlich gewagt, über alternative Gesellschaftsformen nachzudenken und dabei das Wort „Kommunismus“ zu verwenden. Skandal! Die aufrechten Demokraten reagieren angemessen empört.

In den Medien wird hauptsächlich ein Satz zitiert: „Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“ Dass noch viel mehr drinstand in dem gar nicht so kurzen Text, wird verschwiegen.

Und auch das noch: Sie hat vergessen die Blutspur des Kommunismus zu erwähnen! Wo doch unsere Medien so darum bemüht sind, täglich auf die Blutspur des Kapitalismus und zu Weihnachten und Ostern auf die der christlichen Kirchen hinzuweisen!

Im Gegensatz zu den Systemen, die sich bisher als Kommunismus bezeichnet haben, mordet der Kapitalismus nicht in Lagern, das ist richtig. Seine Methoden sind wesentlich perfider, wie man derzeit am Dioxin-Skandal wieder sehr schön sehen kann. Der Golf von Mexiko lässt ebenso grüßen.

Auch ihre eigene Partei, Die Linke, lässt die Gelegenheit nicht aus, sich zu blamieren.

Unter den sogenannten Reformern der Partei kam der Beitrag gar nicht gut an. „Wenn sie das Wort Kommunismus durch demokratischen Sozialismus ersetzt hätte, wäre er unproblematisch“ hieß es in der Fraktionsspitze. www.tagesspiegel.de

Der Inhalt ist also völlig okay, sie hätte nur ein anderes Etikett draufkleben müssen. Wie man sieht, ist Heuchelei kein exklusives Vorrecht von neoliberalen Kapitalisten oder Kirchenleuten, warum auch.

Gerade jetzt vollendet sich die Ausdehnung des Kapitalismus. Er stößt damit an die Grenzen der irdischen Natur. Die Ressourcenökonomie muß über die Kapitalakkumulation siegen, wenn es nicht zur ökologischen Katastrophe kommen soll. Genauso müssen aber auch die sozialen Rechte von bald sieben bis acht Mil­liarden Menschen dominieren über die Verwertungsinteressen transnationaler Konzerne. Einer Welt, die privilegierte Zentren herausbildet, sich in Festungen einmauert und globale Unsicherheit verursacht, werden wir nur entkommen, wenn sich Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung durchsetzen.

Auch das steht im Text von Gesine Lötzsch. Und wenn das jemand anstrebt und verwirklicht – dann ist es mir egal, ob Kommunismus oder Fliegendes Spaghettimonster draufsteht.

Wer sich eine eigene Meinung bilden will, anstatt sie sich von Spiegel und Co. vorkauen zu lassen, soll das bitte tun:

Man muss nicht mit allem übereinstimmen. Aber genau hinzuschauen, bevor einem der Empörungsgeifer aus dem Mund spritzt, hat noch nie geschadet.

nachgetragen

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