Kontrolle, Kontrolle!

So, nu ist also (Überraschung) tatsächlich auch falsch deklariertes Pferdefleisch in Deutschland gefunden worden, und das, wo wir uns doch alle noch vor zwei Tagen so sicher waren, dass überall die Schurken am Werk warenaußer natürlich bei uns.

Neben der ganzen Diskussion um eventuell gefährliche Inhaltsstoffe in Form von Medikamenten interessiert mich vielmehr Folgendes:

Tatsächlich hat das betroffene Fleisch eine wahre Odyssee von der Schlachtung bis in die Regale der Supermärkte zurückgelegt: Ein rumänischer Betrieb, der Rinder und Pferde schlachtet, hat es über niederländische und zypriotische Zwischenhändler an den französischen Importeur Spanghero verkauft. Dieser beliefert das Tiefkühlkostunternehmen Cogimel, das Fertigprodukte für 16 Länder herstellt und das Fleisch in einer Fabrik in Luxemburg verarbeiten ließ. Zu seinen Kunden gehört der Konzern Findus, der wiederum die meisten französischen Supermärkte beliefert. Irgendwo auf diesem Weg wurde das Pferdefleisch als Rind deklariert.

Quelle: www.suedkurier.de

Damit sich das lohnt, muss es doch irgendwelche seltsamen EU-Subventionen geben, anders kann ich mir das bei den Preisen, zu denen das Zeug verkauft wird, nicht vorstellen. Mit anderen Worten: Wir zahlen vermutlich noch dafür, damit wir so was serviert bekommen. Von den ganzen verstopften Autobahnen, schadhaften Brücken und sonstigen Abnutzungen durch die 40-Tonner, für die wir dann auch zahlen, ganz zu schweigen.

Und was ist die Folge? Sollen da Regelungen geschaffen werden, damit erstens die lebenden Tiere und dann das Fleisch nicht Hunderte von Kilometern durch die Gegend gefahren werden? Nein, Kennzeichnung und Kontrollen sollen‘s richten. DANN wird bestimmt alles gut. Die Rinder sind zwar jetzt schon vollgetackert wie eine Jeans im Sonderangebot, aber da findet sich schon noch ein Plätzchen für noch eine Kennzeichnung. Bloß nicht mal ans grundlegende Problem gehen, wo kämen wir denn da hin.

Übrigens wird die Weltwirtschaft von 147 Unternehmen kontrolliert. Wollte ich nur mal erwähnt haben. Nur falls sich jemand fragt, warum eigentlich die Politik lieber noch ein bürokratisches Monster schafft, anstatt mal wirklich was Sinnvolles anzuleiern.

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8 Kommentare

  1. Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf.
    Nur eines zu den Preisen – soweit mir bekannt ist, ist Pferdefleisch bei uns in Grossbritannien, weil verpoent – billig (wenn der Endverbraucher ueberhaupt Zugang dazu hat), und vor allem kommt man als Fleischproduzent (?) billig dran, bei vielen Pferdeauktionen lassen sich ungewuenschteTiere fuer ein paar Pfund ersteigern. Die dann anschliessend in die Schlachthoefe wandern. Legal. Die anschliessend meist exportiert werden, weil – siehe oben.
    Das funktioniert also sogar ganz ohne Subventionen, wobei ich nicht behaupten moechte, dass es diese nicht gegeben hat.

    Antwort
    • Hier in D war es bisher eher so, dass Pferdefleisch als etwas Besonderes, hochwertiger und teurer, als Rindfleisch angesehen wurde. Das zeigt sich auch in vielen Kommentaren (und meinen Gedanken), als das Thema aufkam: „Was hätte jemand davon, billiges Rindfleisch durch teureres Pferdefleisch zu ersetzen?“
      Meine Anmerkung zu den Subventionen bezieht sich nicht auf die billige Produktion von Pferdefleisch, sondern darauf, dass es offensichtlich Gewinne einbringt, jegliches Fleisch für jeden einzelnen Verarbeitungsschritt unter Einschaltung von erstaunlich vielen Zwischenhändlern auf eine Rundreise durch Europa zu schicken – und wie wir wissen, wäre keiner der Beteiligten in dem Spiel dabei, wenn es dabei nicht etwas zu verdienen gäbe – und dann das fertige Produkt für 2,90 Euro zu verkaufen. Das fängt doch schon mit den von der EEG-Abgabe befreiten Firmen in Deutschland an, und wie weit das noch geht, wage ich mir gar nicht auszumalen.

      Antwort
      • Bzgl. Pferdefleisch: es ist richtig, dass Pferdefleisch hochwertiger und gesuender ist als das meiste hochgezuechtete Rindfleisch, was heutzutage ueberall erhaeltlich ist oder verarbeitet wird. Es ist halt nur so, dass die Briten (ich scher jetzt mal alle ueber einen Kamm, Ausnahmen gibt es aber immer) Pferdefleisch nicht essen moegen, da Pferde bei uns als Haustiere und Freunde angesehen werden, nicht so sehr als Nutztiere.
        Zu den Subventionen kann ich Dir nur zustimmen. Ich halte Subventionen fuer Milliardeneurokonzerne sowieso fuer ueberfluessig, sogar gefaehrlich, weil sie den Markt verzerren, und zwar immer zum Vorteil der grossen Firmen. Ausser fuer die Aktionaere hat das ausschliesslich negative Folgen, in allen erdenklichen Bereichen. Was den Tiertransport anbetrifft, finde ich die oft langenTransportwege sowieso abartig. Auch andere Produkte in der Landschaft herumzukutschieren, um hier etwas hinzuzufuegen, dort etwas beizupanschen, hueben ein paar Buecher zu manipulieren und drueben alles vorhergegangene zu verschleiern, hat nur ein Ziel – den Endverbraucher, und oft auch Regierungsverantwortilche fuer dumm zu verkaufen, um den groesstmoeglichen Profit aus einer Sache herauszuholen, aus der sich mit legalen und transparenten Methoden gar kein Profit mehr erzielen laesst. Ueber diese Themen koennte man stundenlang diskutieren, da ist nicht nur ein Wurm drin, da hat sich ein ganzer Wuermerstaat breit gemacht.

  2. Hallo, du hast völlig recht, die Odysee der Kuh bzw. des Pferdes bis zum TK-Fach ist krass. Glücklicherweise kaufe ich nie so ’nen Müll.
    Letztlich sind es wir Verbraucher, die geizgeil solche Produkte nachfragen. Und wir Verbraucher sind es, die die Macht haben, Politik und Industrie zum Handeln zu zwingen, mit unseren Kaufentscheidungen. Je länger der Verarbeitungsprozess und die Lieferkette, umso mehr Möglichkeiten gibt es, dass ein Glied in der Kette eine Menge kriminielle Energie besitzt. Keiner von uns braucht Fertigfraß kaufen. Selber kochen geht ebenso schnell, kostet bei gleicher Qualität weniger, ist leckerer und gesünder, Und man braucht dafür nicht mal viel Talent.
    Die Kennzeichnungswünsche beziehen sich nicht auf die lebenden Tiere, sondern auf die Verpackung im Supermarkt. VG

    Antwort
    • Bei der Kennzeichnung ging es (zumindest phasenweise, beim derzeitigen Aktionismus hat man ja Mühe, auf dem aktuellen Stand zu bleiben, was die Vorschläge angeht) auch darum, die lebenden Tiere besser nachverfolgbar zu machen.
      Was die Macht der Verbraucher angeht, stimme ich Dir nur zum Teil zu. Es stimmt, es wird nur produziert, was auch gekauft wird; manchmal muss der Bedarf nach einem bestimmten Produkt zwar erst mühsam erzeugt werden, aber wenn das nicht gelingt, verschwindet dieses auch wieder. Allerdings ist mir das zu einfach, denn es schiebt die Verantwortung an die völlig falsche Stelle. Es ist richtig, dass niemand gezwungen wird, Fertigfutter zu kaufen – genauso wenig wird allerdings jemand gezwungen, kriminell zu werden, zu lügen und zu betrügen, wo es nur geht. Ich sehe nicht ein, warum wir die Bequemlichkeit des Menschen einerseits geißeln, Kriminalität andererseits als gegeben hinnehmen sollen.

      Antwort
      • Oh, da hast du mich aber ganz falsch verstanden. Kriminalität darf natürlich nicht hingenommen werden. Diese muss verfolgt und bestraft werden. Ganz richtig. Klar.
        Ebenso klar ist es, dass es außerhalb meiner Macht steht, kriminelles Handeln an sich zu verhindern. Das gibt es seit Menschengedenken und wird es weiter gehen.
        Ich finde es halt langweilig, nur mit dem Finger auf andere (Industrie, Politik, wen auch immer) zu zeigen. Mein Interesse gilt dem, was ich beeinflussen kann. Was kann ich tun? Was kannst du tun? Was kann jede/r tun? Ich kann als Verbraucher bewusster konsumieren, bei Lebensmitteln z.B. regionalen Produkten den Vorzug geben, wenig verarbeitete Produkte kaufen, auf Qualitätslabel achten. Damit reduziere ich auch die Häufigkeit kriminiellen Handelns. Wo kein Markt, da kein Verbrauch. Wenn es sich nicht lohnt zu betrügen, sinkt die Betrugsrate.

      • Ich denke, ich habe Dich schon richtig verstanden. Ich habe Dir nicht unterstellt, dass Du Kriminalität gutheißt oder deren Verfolgung ablehnst. Mir geht es um diese Haltung:
        „Das gibt es seit Menschengedenken und wird es weiter gehen.“
        Darin steckt eine gewisse Akzeptanz und Resignation. Auch die Bequemlichkeit des Menschen gab es immer schon und wird es weiter geben. Bloß – Ersteres schadet anderen bewusst und vorsätzlich, Letzteres eher indirekt. Natürlich ist es vernünftig zu schauen, was ich als Einzelne tun kann: Ich kann anders einkaufen, während ich die Kriminellen von ihren Taten nicht direkt abhalten kann, da ich sie (meistens) nicht einmal kenne.
        Trotzdem: „Geächtet“ wird in der öffentlichen Meinung zunehmend der „faule Verbraucher“, die kriminellen Täter tauchen wie so oft nur ganz am Rande auf. Im Gegenteil wird ihnen oft sogar noch Verständnis entgegengebracht: „Wer von uns hat denn nicht schon mal …“ Letzlich schwingt darin immer „selbst schuld“ mit. Hiergegen wehre ich mich. Auch Menschen, die Fertigfutter kaufen, haben ein Anrecht darauf, nicht betrogen zu werden.

      • Ui, liebe oder lieber nachgetragen, ich weiß nicht, was du alles in meinem Post liest. Aber weder habe ich jemanden geächtet noch geschont. Beides sind Dinge, die mir völlig fern liegen, ebenso wie irgendeine Schuldfrage oder das Aufwiegen von kriminellem Verhalten gegen Verbraucherverhalten. Das macht doch überhaupt keinen Sinn. Ist einfach überhaupt nicht meine Denklogik.
        Ich möchte meine bescheidene Macht dafür nutzen, die Welt ein klitzekleines Stück in meinem Sinne zu verändern. Das ist mein Recht und meine Verantwortung, ob ich es tue oder lasse. Und ich möchte allen, die sich machtlos fühlen, sagen: nein, du bist nicht machtlos. Mit jedem Euro bewegst du die Welt. Alles hängt mit allem zusammen. Auch wenn wir die Zusammenhänge nicht immer erkennen können.

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