„Fremd“ zu sein bedarf es wenig

Wie wenig es braucht, bis sich latente Fremdenfeindlichkeit als wütender Mob manifestiert, zeigen die Ereignisse in Turin. Dort hat eine „aufgebrachte Menschenmenge (…) ein Zigeunerlager angegriffen und in Brand gesetzt. Rund hundert Leute waren beteiligt, nur zwei wurden festgenommen.“ (NZZ) Eine 16-Jährige hatte behauptet, von zwei Zigeunern vergewaltigt worden zu sein und musste später zugeben, gelogen zu haben.

Ganz abgesehen von der erschreckenden Tatsache, wie häufig fremdenfeindliche Gewalt in Europa (wieder) ist, ist dieser Satz im NZZ-Artikel besonders bemerkenswert:

Nach Bekanntwerden der Lüge beendete die Polizei die Gewalt gegen das Zigeunerlager (…).

„Nach Bekanntwerden der Lüge“? Das heißt doch wohl, solange die Vergewaltigung als wahr galt, hat die Polizei tatenlos zugesehen, wie für die angebliche Tat von zwei Menschen das ganze Lager quasi in Sippenhaft angegriffen wurde. Was wäre wohl passiert, wenn die Behauptung nicht als unwahr deklariert worden wäre?

Wer jetzt mit dem Finger zeigt und meint „Jaaaa, Italien …“, möge an Hoyerswerda und Rostock denken und beschämt schweigen.

nachgetragen

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Morde von rechts

Immer mehr Details kommen ans Licht: „Pannen“, „Versagen“, „Fehler“, „Unfähigkeit“ … und das alles in einem Maß und einer Häufung, die jeder Wahrscheinlichkeit hohnsprechen. Alles nur aus Versehen?

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

nachgetragen

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Ein Ruck ist durch Deutschland gegangen – nach rechts

Immer deutlicher zeigt sich die Fremden- und Islamfeindlichkeit vieler Deutscher. Erschreckend vieler. War sie bisher eher latent vorhanden, manifestiert sie sich jetzt zunehmend eindeutiger. „Seit der Debatte um Sarrazin kann man sich trauen, den Islam offen zu kritisieren“ lautete eine Feststellung des ARD-Politmagazins „Report Mainz“, der immerhin 44 Prozent der Befragten zugestimmt hatten, schreibt die Schweizer NZZ. Und stellt weiter richtig fest: Es erstaunt denn auch wenig, dass der Sarrazin-Effekt auch für die Politik als willkommenes Wahlkampfinstrument wahrgenommen wird. Es erstaunt zwar nicht, ist aber deshalb nicht weniger erbärmlich und armselig, dass Politiker mit diesem gefährlichen Funken, der schon einmal einen Flächenbrand auf der ganzen Welt ausgelöst hat, zündeln; aus dem einzigen Grund, ihre Macht zu erhalten und die ertragreichen Pfründe zu sichern.

Einen Vorteil hat diese unselige Entwicklung jedoch: Jetzt kommen diejenigen, die unter dem Deckmantel braver Bürgerlichkeit bisher nur hinter vorgehaltener Hand oder nach dem dritten Bier ihren Hass auf alles Fremde äußerten, aus ihren Löchern und zeigen sich. Hoffentlich wird das in Europa und der ganzen Welt sehr genau zur Kenntnis genommen, was hier nicht mehr im Verborgenen, sondern ganz offen wächst. Nur so lässt sich verhindern, dass erneut ein Funke aus Deutschland zur Feuerwalze wird.

nachgetragen

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