EU: Schutz vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln

Der EU liegt das Wohl ihrer Bürger wirklich am Herzen. So richtig. Ohne Kompromisse. Deshalb wird jetzt eingeschritten, wenn die Möglichkeit besteht, dass radioaktiv belastete Lebensmittel nach dem Unglück in Japan hier in Europa ankommen.

EU erhöht Grenzwerte für Radioaktivität

Seit Samstag gelten in der EU höhere Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel, wie heute bekannt wurde. In normalen Zeiten liegen die Maximalbelastungen der meisten Lebensmittel für Cäsium-134 und Cäsium-137 bei 600 Becquerel, seit Samstag sind es 1250 Becquerel. Für Milcherzeugnisse sind nun statt 370 Becquerel 1000 Becquerel erlaubt.

http://www.tagesanzeiger.ch/

So sieht das aus, was die EU sich unter Schutz vorstellt! DANKE EU!

Hintergrund für die Anhebung ist die nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1987 erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Demnach können im Falle eines „nuklearen Notstandes“ die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln angehoben werden, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen. Jedoch gibt es in Europa weder einen nuklearen Notstand, noch Versorgungsengpässe mit Lebensmitteln. Dafür sind die Importe aus Japan viel zu unbedeutend. Die Anhebung der Grenzwerte ist demnach völlig unverständlich. Der richtige Schritt, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen, wäre ein kompletter Importstopp. Dieser ist gemäß Artikel 53 Absatz (1) Ziffer b) i) der für den gesundheitlichen Verbraucherschutz maßgeblichen EU-Verordnung 178/2002 möglich.

http://foodwatch.de/

Klonfleisch bleibt übrigens auch weiterhin erlaubt und muss nicht gekennzeichnet werden.

Die Konsumenten in der EU werden auch weithin nicht darüber informiert, ob ihr gekauftes Fleisch von Klontieren kommt. Die Mitgliedsländer und das EU-Parlament konnten sich nicht auf eine Neuregelung einigen.

http://www.nzz.ch/

DANKE DANKE DANKE, EU!

Und wieso findet man überhaupt solche Nachrichten hauptsächlich auf Schweizer Medienseiten? Pennt die EU-Presse? Oder war da doch was nicht so mit der Unabhängigkeit?

nachgetragen

 

Edit: Wie so vieles, habe ich auch die Grenzwerttaktik der EU gefunden auf Fefes Blog. Muss ja auch mal gesagt werden.

Noch ’n Nachtrag: Bei Foodwatch sind auch die einzelnen EU-Verordnungen verlinkt, falls jemand Lust hat, sich da durchzulesen.

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Japan und das Fernsehen

Gut, dass nun endlich das Fernsehen sich seiner Verantwortung gegnüber dem mündigen Bürger bewusst wird und auf die Katastrophe in Japan reagiert. Nein, die Sender wollen nicht aufhören, sich gegenseitig darin zu überbieten, Tod und Zerstörung, trauernde und traumatisierte  Menschen in Großaufnahme zu zeigen. Viel besser:

Nach der Katastrophe in Japan: Deutschsprachige Fernsehsender zeigen vorerst keine Folgen der US-Kult-Comicserie [Die Simpsons] mit AKW-Pannen. […]

Es wäre derzeit „unpassend, themenaffine Folgen zu zeigen“, sagte ORF-Film- und Serienchefin Andrea Bogad-Radatz. Zuschauer könnten sich unangenehm berührt fühlen. In „Simpsons“-Folge 66 sterben Menschen durch Verstrahlung, in Folge 346 werden Witze über das Thema gemacht – beide Folgen hat der ORF deshalb nicht wie geplant gezeigt. […]

Auch bei Pro Sieben sichtet die Redaktion die Serie derzeit auf unpassende Inhalte. „Aus aktuellem Anlass zeigen wir keine Folgen, in welchen das Atomkraftwerk eine größere Rolle spielt“, teilt der Sender mit. […]

www.tagesspiegel.de

Aus lauter Pietät und Rücksichtnahme (auf wen eigentlich?) planen die Sender, einen Film zu wiederholen, der sich wirklich ernsthaft mit dem effektiven Schutz vor radioaktiver Strahlung befasst und nicht so sinnlos lustig(?) ist wie die Simpsons:

http://www.youtube.com/wa […] dpAGDu8s

Und noch lustiger: Wir haben die Atombomben direkt in der Nachbarschaft und müssen nur darauf warten, bis sie hochgehen, anstatt darauf, dass der böse Feind sie abwirft.

„The most important thing of all is to duck and cover yourself!“

Und alles wird gut.

nachgetragen

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Knut ist tot

Mit nur vier Jahren ist Knut, der von Hand aufgezogene Eisbär des Berliner Zoos, gestorben.

Nun gibt es Menschen, die meinen, wenn nicht mindestens 20.000 Eisbären von einem Tsunami überrollt werden, habe man das nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wer es doch tut, zeichnet sich in den Augen dieser Menschen durch Kaltschnäuzigkeit/Verdorbenheit/Herzlosigkeit/Mangel an Empathie aus. Schließlich gilt es wieder mal Helden im Dienste ihrer Nation zu bewundern; dabei interessiert auch nicht weiter, ob die Todeskandidaten, die in Fukushima arbeiten, dies wirklich freiwillig tun. Die Mitleid-, Trauer- und Heldenanbetungsfraktion ist jedenfalls ganz sicher, wo solche Gefühle derzeit hingehören.

Dann gibt es noch die Menschen (bei denen es sich in der Regel um Bewohner Berlins handelt), die der Meinung sind, wer nicht, wie sie selbst, durch wiederholtes Begaffen eine innige Beziehung zu Knut aufgebaut hat, dürfe sich zu seinem Tod nicht äußern. So muss sich wohl ein Spanner fühlen, dessen Opfer die Frechheit besitzt, überraschend zu sterben.

Der Berliner Zoo hat seinen Star verloren. Aber Knut wird sich wohl auch im Tode noch vermarkten lassen (müssen).

nachgetragen

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Atomkraft ist sicher, Teil 2

Wie BESCHEUERT ist das denn? Die Reaktoren werden mehr oder effektiv durch Schutzmäntel geschützt, die Belastungen wie Erdbeben oder Flugzeugabstürzen standhalten sollen.

Wie jetzt in Fukushima bei den Bemühungen um die verbrauchten, aber immer noch strahlenden und genügend Hitze für die Gefahr einer Kernschmelze  produzierenden Brennstäbe in Reaktorblock 4 deutlich wird, gilt das nicht für die Abklingbecken, in denen diese Brennstäbe gelagert und gekühlt werden. Die sind zwar (hoffentlich) auch gegen die Strahlung geschirmt, aber haben null Absicherung gegen äußere Einflüsse – die gilt NUR für die Reaktoren.

Besonderes Augenmerk gilt weiter dem Reaktorblock 4. Es ist ein Ziel der Einsatzkräfte, die Abklingbecken dort mit Wasser aufzufüllen. Denn diese Behälter sind nicht durch einen speziellen Schutzmantel geschützt wie die aktiven Brennelemente im Inneren der Reaktoren.

http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima220.html

Das bedeutet im Klartext: Jedes Atomkraftwerk, auch in Deutschland, das nach irgendwelchen Sicherheitsstandards gegen Flugzeugabstürze gesichert ist, hat diese völlig ungesicherten Abklingbecken, von denen ebenfalls akute Gefahr der Verstrahlung ausgeht! Ganz zu schweigen vom Ausfall der Kühlung, die vermutlich dazu führt, dass diese Dinger in einem solchen Fall einfach durch den Boden ins Grundwasser „schmelzen“.

Es ist nicht zu fassen, dass nach dermaßen dreisten Lügen (alles ganz sicher in Deutschland) IMMER NOCH Menschen, die nicht als Betreiber von Atomkraftwerken am großen Reibach teilhaben, meinen, dass Atomkraft beherrschbar und unverzichtbar ist.  Und was den Zynismus und die Skrupellosigkeit der Betreiber solcher Anlagen selbst angeht, mit dem sie um des Profits willen Risiken in Kauf nehmen (natürlich vorwiegend nicht für sich selbst), die niemand abschätzen kann, bin ich der Meinung: ████████████████

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nachgetragen

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Atomkraft ist sicher.

Und bei uns kann so was ja niemals nicht passieren.

Wie lange wollt Ihr uns noch verarschen?

nachgetragen

Nachtrag: Glanzleistung bei WDR2 in einer Sondersendung zu den Ereignissen in Japan. Moderator Michael Brocker sagt (sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert): „Jetzt wechseln wir das Thema, denn es sind ja schließlich noch andere Dinge passiert“, und damit leitet er über zu … Fußball. Glückwunsch, WDR.

 

Nachtrag 2: Oh, und Mutti will jetzt die Sicherheitsstandards in deutschen Kernkraftwerken überprüfen lassen. Na, da sind wir aber alle richtig beruhigt, dann kann ja nichts mehr passieren.
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