Was drauf ist, muss drin stehen. Oder so.

Wahljahr is, und da kann man sich als WählerIn vor aktiven und verbraucherInnenfreundlichen PolitikerInnen kaum retten. Uns Ilse ist derzeit natürlich ganz vorn dabei, wer würde sich eine solche Chance auch entgehen lassen!

Heute wird Frau Aigner fast überall mit der Aussage zitiert:

„Was draufsteht, muss auch drin sein.“
(Zum Beispiel hier)

Find ich voll gut, Frau Aigner, dass Sie so voll für die Information für den Verbraucher sind. Dann gilt doch sicher auch „Was drin ist, muss draufstehen“, gell? Sie, da kenn ich wen, da sollten Sie sich mit zusammentun, die wollen das auch. Sogar schon seit 2002. Manche Sachen wüsste man ja doch schon gern vorher. Da muss es auch gar nicht um die süßen Pferdchen gehen dabei. Ich verlass mich voll auf Sie.

Was ich noch fragen wollte: Sind Sie schon aus Facebook ausgetreten und haben da richtig Druck gemacht von wegen dem Datenschutz?

 

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EU: Schutz vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln

Der EU liegt das Wohl ihrer Bürger wirklich am Herzen. So richtig. Ohne Kompromisse. Deshalb wird jetzt eingeschritten, wenn die Möglichkeit besteht, dass radioaktiv belastete Lebensmittel nach dem Unglück in Japan hier in Europa ankommen.

EU erhöht Grenzwerte für Radioaktivität

Seit Samstag gelten in der EU höhere Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel, wie heute bekannt wurde. In normalen Zeiten liegen die Maximalbelastungen der meisten Lebensmittel für Cäsium-134 und Cäsium-137 bei 600 Becquerel, seit Samstag sind es 1250 Becquerel. Für Milcherzeugnisse sind nun statt 370 Becquerel 1000 Becquerel erlaubt.

http://www.tagesanzeiger.ch/

So sieht das aus, was die EU sich unter Schutz vorstellt! DANKE EU!

Hintergrund für die Anhebung ist die nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1987 erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Demnach können im Falle eines „nuklearen Notstandes“ die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln angehoben werden, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen. Jedoch gibt es in Europa weder einen nuklearen Notstand, noch Versorgungsengpässe mit Lebensmitteln. Dafür sind die Importe aus Japan viel zu unbedeutend. Die Anhebung der Grenzwerte ist demnach völlig unverständlich. Der richtige Schritt, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen, wäre ein kompletter Importstopp. Dieser ist gemäß Artikel 53 Absatz (1) Ziffer b) i) der für den gesundheitlichen Verbraucherschutz maßgeblichen EU-Verordnung 178/2002 möglich.

http://foodwatch.de/

Klonfleisch bleibt übrigens auch weiterhin erlaubt und muss nicht gekennzeichnet werden.

Die Konsumenten in der EU werden auch weithin nicht darüber informiert, ob ihr gekauftes Fleisch von Klontieren kommt. Die Mitgliedsländer und das EU-Parlament konnten sich nicht auf eine Neuregelung einigen.

http://www.nzz.ch/

DANKE DANKE DANKE, EU!

Und wieso findet man überhaupt solche Nachrichten hauptsächlich auf Schweizer Medienseiten? Pennt die EU-Presse? Oder war da doch was nicht so mit der Unabhängigkeit?

nachgetragen

 

Edit: Wie so vieles, habe ich auch die Grenzwerttaktik der EU gefunden auf Fefes Blog. Muss ja auch mal gesagt werden.

Noch ’n Nachtrag: Bei Foodwatch sind auch die einzelnen EU-Verordnungen verlinkt, falls jemand Lust hat, sich da durchzulesen.

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Same procedure: Dioxin-Skandal, mal wieder

Da haben wir also mal wieder einen Skandal um dioxinverseuchte Eier. Ist ja an sich nichts Neues, aber wieder einmal ist schön zu sehen, wie das System funktioniert und wem es nützt.

Zunächst geht also wieder durch die Presse, dass dioxinbelastete Eier gefunden wurden. Haben Sie schon mal versucht herauszufinden, wo diese Eier herkommen? Da ist nichts zu machen, da halten alle einmütig dicht. Ist ja nicht so, als könnte man nicht innerhalb einer Minute anhand des Stempels auf dem Ei herausbekommen, wo es herkommt. Nützt einem nur nichts, weil Verbraucherschutz in Deutschland nur getarnter Industrieschutz ist.

Jetzt wurden 1000 Höfe gesperrt, auch das der Presse zu entnehmen. Welche Höfe mögen das sein? Tjaha, auch hier das übliche Spiel. Die Tatsache, dass dioxinbelastete Eier möglicherweise noch im Handel sind und ein Teil davon mit Sicherheit schon in den Mägen diverser Verbraucher gelandet ist, wird als unwichtige Randinformation in Nebensätze verpackt.

Es bleibt nur übrig, keine Eier mehr zu kaufen. Damit werden dann die Produzenten, die nicht beteiligt sind, quasi in Sippenhaft mitbestraft. Und letztlich setzt man wieder auf das schlechte Gedächtnis der Verbraucher. Das funktionierte bei allen bisherigen Lebensmittelskandalen hervorragend und wird es auch dieses Mal wieder.

Dann waren da noch 8000 Hühner, die „notgeschlachtet“ wurden (es werden sicher noch mehr Tiere werden). Natürlich nur, um die Verbraucher zu schützen, „um nicht in den Nahrungskreislauf der Menschen zu geraten“. Wie „gerät“ denn bitte ein Huhn in den Nahrungskreislauf? Das hat doch wohl primär was mit krimineller Energie oder Profitgier und nicht mit „aus Versehen in den Nahrungskreislauf geraten“ zu tun, wenn jemand derart vergiftete Tiere und/oder ihre Eier in den Nahrungskreislauf bringt .

Viel eher steht doch die Rechnung dahinter: kein Nutzen = kein Profit = kein Lebensrecht, ist ja bloß Nutzvieh. Man könnte allerdings, zynisch zwar, aber mit Wahrheitsgehalt, feststellen, dass es den geschlachteten Hühnern vermutlich jetzt besser geht als ihren unter erbärmlichsten Massentierhaltungsbedingungen über“lebenden“ Artgenossen.

SELBSTVERSTÄNDLICH bestand und besteht zu keiner Zeit irgendeine wie auch immer geartete Gefahr für die Verbraucher, selbst wenn sie dioxinbelastete Eier gegessen haben. Sie dürfen nur nicht auf die Idee kommen, sich genauer über Dioxin zu informieren, damit sie nicht unangenehme Sätze wie „Im Tierversuch war es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich. Die für Menschen tödliche Dosis ist nicht bekannt.“ finden.

Auf das nun einsetzende Erstaunen („Kann man sich nicht erklären, wie das passieren konnte“) und die allfällige Heuchelei („Da muss man was gegen tun“), könnte ich auch gut verzichten.

nachgetragen

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Update: Geht schon los …

Update 5.1.2011: Na, das ist ja tatsächlich mal was Neues:

  • Nordrhein-Westfalen sperrte am Dienstagabend vorsorglich 139 weitere Betriebe. Das Land veröffentlichte Kennnummern, anhand derer die Verbraucher dioxinbelastete Eier erkennen können. Sie sind jeweils auf die Schale gestempelt. (www.tagesspiegel.de)

Diese „Liste“ des Verbraucherschutzministeriums umfasst genau zwei (2) Betriebe. Die meinen das ja mal so richtig ernst mit dem Verbraucherschutz. Die anderen Nummern werden veröffentlicht, wenn auch diese Eier verkauft und verzehrt sind.
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