Rücktritt? Da war doch noch was …

Nun hat der Herr Doktor a. D. endlich getan, was er schon vor zwei Wochen hätte tun sollen: zurücktreten. Nun gut, das Format einer Margot Käßmann, Fehler einzugestehen und Konsequenzen zu tragen, hat wohl nicht jeder, da hilft auch das besonders edle Blut nicht.

Ein anderer klebt aber noch fester in seinem Sessel und scheint entschlossen, „Aussitzen“ zu seiner hervorstechendsten Eigenschaft zu machen. Der Name: Adolf Sauerland. Das Stichwort: Loveparade.

Da hat sich schön der Bock selbst zum Gärtner gemacht , indem er damit argumentierte, im Amt bleiben zu müssen, um zur Aufklärung beitragen zu können. „Mein allergrößtes Interesse ist, dass die Hintergründe, die zu dieser Katastrophe geführt haben, lückenlos aufgeklärt werden. Es geht darum, die Verantwortlichen ausfindig zu machen und dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen“, sagte er der Rheinischen Post in einem Interview.

Inzwischen wird auch klar, wie sich zumindest die Staatsanwaltschaft diese Aufklärung vorstellt: „In mindestens zwei Fällen ist die Staatsanwaltschaft strafrechtlich gegen Bürger vorgegangen, nachdem sie gegen Adolf Sauerlands Verhalten nach dem Loveparade-Unglück demonstriert hatten“, schreibt der Tagesspiegel. Wenn man seinen Unmut gegen die Obrigkeit äußert und dabei ein T-Shirt mit dem Aufdruck „LP 2010, 21 Tote, 511 Verletzte“ trägt, macht man sich, eh man es sich versieht, des „unbefugten Tragens von Uniformen“ schuldig – so heißt es im Schreiben der Staatsanwaltschaft laut WDR. Von der „nicht angemeldeten Demonstration“ ganz zu schweigen.

In Duisburg hätte selbst der Gutti noch was lernen können.

nachgetragen

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Fluchtwege? Brandschutz? Nebensache. Der Profit muss stimmen

Erstaunlich, wie sich manche Dinge ähneln …

(1) So befreit der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im (…) Amt für Baurecht und Bauberatung die Organisatoren von der Vorschrift, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig verzichten die Beamten großzügig auf „Feuerwehrpläne“.

(2) Selbst grundlegende Sicherheitsfragen sind noch unbeantwortet. So monieren Ingenieure, dass die gültigen Auflagen für „Brandschutztore bisher in der Entwurfsplanung noch nicht umgesetzt“ wurden und dass „die Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen (…) bisher nicht geplant“ sind.

(1) steht bei Spiegel Online, (2) auf Stern.de. In beiden Texten geht es um Mauscheleien bei Großprojekten mit dem Ziel der Gewinnmaximierung für einige Beteiligte.

Die Folgen von (1) sind bekannt, die von (2) ließen sich noch verhindern.

nachgetragen

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Loveparade: Es reicht!

Der eine schiebt dem anderen die Schuld zu, andere nutzen ein Trauerforum zur Egopflege. Viel zu sagen bleibt da nicht, außer: Das ist widerlich, es reicht! Dieses Geschacher ist ebenso wenig zu ertragen wie die Tatsache, dass OB Sauerland immer noch im Amt ist.

(Bilder anklicken zum Vergrößern)

25.7.2010, SZ: Die Treppe war die Todesfalle

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26.7.2010, WDR: „Trauer und Vorwürfe“

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28.7.2010, WDR: Jäger weist Vorwürfe zurück

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28.7.2010, WDR: Weiteres Todesopfer nach Loveparade

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28.7.2010, WDR: Bericht des Versagens

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30.7.2010, WDR: Feuerwehrbericht belastet Polizei

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4.8.2010, WDR: Loveparade: Gegenseiteige Vorwürfe

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6.8.2010, WDR: Veranstalter weist Vorwürfe zurück

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Ein Blick zurück:

21.1.2010, WDR: Loveparde oder peinliche Pleite?

WDR: Loveparade oder peinliche Pleite?

http://www.wdr.de/studio/dortmund/serien/ruhr2010/2010/loveparade.html - Anschauen, solange der Bericht noch verfügbar ist!

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Und noch ein kleiner Blick ins sogenannte Trauerforum, in dem einige Schreiber sich nicht entblöden, ihr „Fachwissen“, Animositäten und persönliche Defizite zu präsentieren. Weitere erbauliche Ergüsse werden dort quasi minütlich eingestellt. Wenn’s schon sonst mit den 15 Minuten Ruhm nicht klappt …

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nachgetragen

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Verantwortung? Los, übernehmen Sie, Herr Sauerland!

Am letzten Samstag kamen bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg Menschen ums Leben, das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Die Frage nach der Schuld an den Geschehnissen wird nun erforscht und in der Zwischenzeit munter hin- und hergeschoben. Dass Politiker keine politische Verantwortung mehr für das übernehmen, was in ihrem Verantwortungsbereich geschieht, ist ja heutzutage üblich (was schlimm genug ist).

Dass aber der Oberbürgermeister der Stadt, in der dieses Unglück passiert, sich hinstellt und behauptet, die Geschehnisse seien „wahrscheinlich auf individuelle Schwächen einzelner“ zurückzuführen, ist glücklicherweise noch nicht üblich und kann nur eine Konsequenz bedeuten: Rücktritt.

Ein Mensch, der eine derart menschenverachtend-zynische Äußerung tätigt, die einen Fußtritt ins Gesicht aller Opfer, Überlebenden und Angehörigen darstellt, hat jedes Recht verwirkt, seine Mitmenschen zu regieren.

Egal, wie die Ermittlungen ausgehen, ob nun die Fluchtwege zu schmal waren oder deutlich mehr Menschen auf dem Gelände waren als eigentlich zulässig, und wer auch immer letztlich dafür die Verantwortung dafür trägt oder übernehmen muss – Ihre eigene, ganz persönliche Verantwortung für Ihre Worte werden Sie nicht mehr los, Herr Sauerland.

nachgetragen

Quellen, weitere Infos und Meinungen:

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Nachtrag 1 vom 27.7.:

So, ein Oberbürgermeister kann nicht zurücktreten? Und Sie schon gleich gar nicht, weil Sie ja die Verantwortung übernehmen wollen? Jetzt wüsste ich nur gern, wieso das nicht möglich sein soll, wenn Sie nicht mehr OB sind. Mir fallen dazu einige andere, logischere Erklärungen ein als die von Ihnen genannte, und die sind alle nicht schmeichelhaft.

RP-Online.de: Interview mit Duisburgs Oberbürgermeister: Sauerland: Mir sind keine Warnungen bekannt

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Nachtrag 2 vom 27.7.:

Hierzu bedarf es gar keiner weiteren Erläuterung:

Nachdenkseiten.de: Stellen wir uns vor, Duisburgs OB hätte Ypsilanti (SPD) und nicht Sauerland (CDU) geheißen

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Nachtrag 3 vom 27.7.:

Auch kein Kommentar nötig:

DerWesten.de: Bereits vier Wochen vor der Loveparade hat das Duisburger Amt für Baurecht massive Einwände gegen das vorgelegte Sicherheitskonzept erhoben. Das geht aus einem Sitzungsprotokoll hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

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