Acht Minuten

Acht Minuten Sinkflug.

Acht unendliche Minuten Hölle.

Und dann: „We could hear the cries minutes before the plane crashed.“
(Aus der Pressekonferenz zum Cockpit Voice Recorder)

Man kann den Opfern ihre Qualen nachträglich nicht mehr erleichtern. Aber man kann den Angehörigen ersparen, sie mit dem Wissen um solche Informationen auf schäbigste Art und Weise auszubeuten.

Liebe Medien, das ist (wahrscheinlich eher war) so ziemlich die letzte Chance, Euren Ruf zu retten. Aber wenn selbst die ach so seriöse New York Times es nötig hat, Fotos von Opfern und Angehörigen zu zeigen (nope, keine Verlinkung!), und ein Kai Diekmann sich auf „journalistische Standards“ berufen kann (und damit in einer Reihe mit den „seriösen“ Medien steht, siehe New York Times), dann ist das ein Journalismus, der seinen Namen nicht verdient, und mit dem ich nichts mehr zu tun haben möchte. Den Vogel hat aber tatsächlich der Hessische Rundfunk abgeschossen.  Man beachte Datum und Uhrzeit und vor allem die Reaktionen des hr.

Neulich beim Nachrichtenlesen …

Gibt es eigentlich einen Preis für die schlechteste Schlagzeile der Republik? Falls nicht, muss er dringend eingeführt werden, falls ja, habe ich soeben die heißesten Anwärter auf die Auszeichnung entdeckt:

von Spiegel.de und

auf FTD.de

Ich kann mich gar nicht entscheiden, welche schlechter ist. Man sollte den Preis teilen.

Ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, wieso diese „Neuigkeit“ es in die Top-Nachrichten-Feeds geschafft hat.

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Wikileaks zeigt: Es gibt noch Hoffnung

Man muss Julian Assange nicht mögen. Man kann ihn sogar ganz aktiv blöd finden. Vielleicht ist er ein arroganter Selbstdarsteller oder hat einen autoritären Führungsstil. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Denn Assange ist zwar der Gründer von Wikileaks, aber er ist nicht die Organisation, sondern ihr Gesicht, auf das sich dumpf die reaktionären Elemente einschießen.

Er hat sich den Behörden gestellt (Schlagzeilen wie „Assange verhaftet“, „Flucht beendet“ oder Ähnliches machen natürlich viel mehr her als „Er ging selbst zur Polizei“) und damit Mut bewiesen und das einzig Richtige getan (vielleicht schauen Sie noch mal genau hin, wie’s geht, Herr Polanski?). Sollen die schwedischen Gerichte klären, ob er sich strafbar gemacht hat oder nicht. Diejenigen, die ihn per se für unschuldig halten, weil seine Organisation Wikileaks gute Arbeit macht, und nun auf die bösen feministischen Schlampen eindreschen, die es wagen, ihn mit Schmutz zu bewerfen, können dies genauso wenig beurteilen wie diejenigen, die Assange aus dem gleichen Grund für jeder Teufelei fähig halten und für den Untergang der Politik (und damit ihrer Privilegien der ganzen Welt) verantwortlich machen. (Über die zeitlichen Abläufe und einiges andere kann man sich allerdings sehr wundern.)

Was man aber auf keinen Fall tun sollte, ist so einen offensichtlich manipulativen schlecht recherchierten Kommentar ins Internet zu stellen wie Stefan Kornelius bei der SZ.

Julian Assange ist kein Heiliger? Soll wohl heißen, wer nicht mindestens den Segen vom Papst hat („Voraussetzung sind Martyrium oder heroischer Tugendgrad des Betreffenden sowie im Falle des Nicht-Martyriums der Nachweis eines Wunders.“), darf nicht daran mitarbeiten, Geheimnisse, Lügen und das wahre Gesicht von Politik aufzudecken.

Wobei der Aspekt mit dem Martyrium höchst interessant ist – wahrscheinlich für Assange selbst weniger –, denn ich bin mir sicher, dass es bereits Kräfte gibt, die daran arbeiten.

Und dann verlässt Assange Schweden auch noch, nachdem der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wurde. Das ist mal wirklich ein echter Hammer.

Aber es gibt Hoffnung. Die zum jetzigen Zeitpunkt 352 Leserkommentare zum Artikel entlarven dessen Schwächen und Manipulationsversuche schonungslos. Es gibt sie noch, die denkenden Menschen, die sich nicht jeden Schwachsinn vorsetzen lassen. Und dank Organisationen wie Wikileaks werden es hoffentlich immer mehr.

Wer sich übrigens die wirklichen Knaller der veröffentlichten US-Depeschen ansehen möchte, die über mehr Auskunft geben als über Putins Alphatier-Verhalten und Merkels Fantasielosigkeit, sollte sich beim Guardian umschauen. Denn im Gegensatz zur deutschen Presse hat dieser es geschafft, die „Cables“ wirklich aufzubereiten und vor allem lesbar zur Verfügung zu stellen, anstatt mit Boulevardnachrichten und Informationshäppchen eine Ablenkungstaktik zu fahren.

Dort finden sich dann beispielsweise Schätzchen wie „Shell sagt ’wir haben Leute in allen wichtigen nigerianischen Ministerien’“. Was besonders interessant ist vor dem Hintergrund solcher dreisten Lügen Äußerungen:

Shell ein „Staat im Staate“ oder „Corporate Citizen“?

Ein mächtiger Staat im Staate, der sein Geld auf Kosten von Mensch und Umwelt verdiene, sagen die Kritiker. Pressesprecher Bobo Brown von Shell Nigeria wehrt sich – und schiebt den Schwarzen Peter der nigerianischen Regierung zu: „In Wahrheit sind wir doch nur eine Firma und keine Parallel-Regierung“, sagt er. Shells Einfluss auf die Regierung Nigerias habe seine Grenzen – und das sei auch gut so. „Denn Shell versteht sich als sozial engagiertes Unternehmen, als ‚Corporate Citizen‘“, so der Pressesprecher.

Quelle: tagesschau.de

Was die gern als Umweltspinner und Ökofreaks abgewerteten Mahner schon lange anprangern, ist dank Wikileaks nun endlich schwarz auf weiß bewiesen.

Es gibt noch viel mehr zu entdecken. Fangen wir an.

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Update 10.12.2010: Auch der Guardian hat das Thema „Shell“ in Nigeria bereits aufgegriffen.

 

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Von Blöffsäcken und anderen Sprachkünstlern

Auf Weltwoche online hat Daniela Niederberger einen Kommentar mit dem Titel „Blöffsack-Journalismus“ veröffentlicht, in dem sie ihre ideenlosen, nur auf Egopolitur bedachten KollegInnen geißelt.

Diese bösen Menschen schreiben über so wichtige Themen wie „den besten Koch der Welt“ oder „den teuersten Fisch der Welt“ – und das nur, weil ihnen nichts Besseres einfällt. Meint zumindest Frau N., die so etwas natürlich niemals nicht tun würde. Dafür hat sie sich eines anderen Vergehens schuldig gemacht, wie sie großzügigerweise zugibt:

Jetzt wüsst ich aber mal gern: Seit wann bitte ist es ein Zeichen von Reife, anderen die Fehler vorzuwerfen, die man selbst gemacht hat? Die Einsicht, selbst mal etwas falsch gemacht zu haben (in grauer Vorzeit natürlich, fast schon prähistorisch und kaum noch der Rede wert), ist ja schön und gut, aber dann anderen, die wahrscheinlich aus genau denselben Gründen genau dieselben Fehler machen, diese dann vorzuwerfen, nenne ich selbstgerecht.

Den Austeil-Journalismus findet die Frau N. billig. Und ich überlege die ganze Zeit, wie man das nennt, was sie da in ihrem Kommentar betreibt …

Nun ja, eine Feststellung stimmt immerhin: Es ist nicht verboten, reifer zu werden. Vielleicht macht Frau N. von diesem Nicht-Verbot ja auch irgendwann einmal Gebrauch.

Richtig lustig wird die Sache dann, wenn man in der Weltwoche, diesem Hort der Qualität, auf „Stellenangebot“ klickt:

„Offene Vakanzen“? Fremdwörterisch is schon schwer, nech …

So ähnlich muss das auch den Jugendwort-Spezialisten bei Langenscheidt gegangen sein. Dort läuft die Abstimmung zum Jugendwort des Jahres 2010.

Wer um alles in der Welt kommt auf die Idee, „Lohas“, das Marketing-Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“, der Jugendsprache zuzuordnen?

Alle doof, außer ich.

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Neues vom Prozess um Dominik Brunners Tod

Zurzeit läuft in München der Prozess gegen die Schläger, die Dominik Brunner auf dem Gewissen haben. Den Mann, der (als Einziger) eingegriffen hat, als drei Männer einigen Teenagern Geld zum „Partymachen“ (auf Deutsch: saufen) stehlen wollten. Jetzt sind neue Erkenntnisse ans Licht gekommen.

Zunächst hat sich herausgestellt, dass der erste Schlag wohl von Domink Brunner und nicht von den jungen Männern kam. Weiterhin heißt es, Brunner sei nicht an den Faustschlägen und Tritten, sondern an Herzversagen gestorben.

Das ändert die Sache natürlich grundlegend.

Erstens kann es nicht angehen, dass jemand als „Held von Solln“ auf einen Sockel gestellt wird, der letztendlich doch nur ein Mensch mit Schwächen und Fehlern ist. Helden haben reine, unbefleckte Wesen ohne jeden menschlichen Makel zu sein. Schon gar nicht dürfen sie wütend werden oder die Beherrschung verlieren. Und wenn das doch geschieht, dann ist es auch okay, sie totzuschlagen und noch auf sie einzutreten, wenn sie bereits am Boden liegen.

Und dann soll es auch noch einen Obduktionsbericht geben, der belegt, dass die Ursache für Dominik Brunners Tod Herzversagen aufgrund eines Herzfehlers war.* Dann lag es also gar nicht an einem durch einen Faustschlag verursachten Milzriss oder einem Schädelbasisbruch nach einem Fußtritt auf den Kopf. Auch lag es nicht an durch Schläge oder Tritte gebrochenen Rippen, die lebenswichtige Organe durchstochen haben.

Das entlastet die Angeklagten natürlich ungemein. Schließlich können sie ja nichts dafür, dass der Mann, auf den sie einprügeln und eintreten, möglicherweise einen Herzfehler hat und dass dieses Herz unter dem Stress des Zusammengeschlagen- und -getretenwerdens schlappmacht.

Was mischt der sich überhaupt ein, wenn er schon ein krankes Herz hat? Das ist doch verantwortungslos. Vielleicht können die Schläger ja noch Schmerzensgeld herausholen, weil Brunner ihnen zugemutet hat, vor ihren Augen nach ein paar Schlägen und Tritten zu verrecken? Noch dazu hat er ja zuerst zugeschlagen (ein Mal). Da muss es doch erlaubt sein, auszurasten, jegliche Hemmungen und Kontrolle zu verlieren und den Bastard plattzumachen?

Glücklicherweise sieht die Staatsanwaltschaft München das anders. „Herr Brunner ist infolge der Schläge und Tritte daran gestorben, dass das Herz stehengeblieben ist“, wird Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger auf Spiegel-online zitiert, und damit sei die Kausalität klar: Brunner würde nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ohne die massiven Schläge und Tritte noch leben.

Allerorten ist schon von der „Wende“ im Fall Brunner zu lesen. Denn was kann es für die Medien Schöneres geben, als einen Helden vom Sockel zu stoßen? Offensichtlich nichts. Die Liste der „Wende“-Rufer ist lang, wie eine Suche im Internet mit den Begriffen „Wende, Brunner“ beweist. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich mal mit der Zeitung mit den großen Buchstaben sympathisieren würde. Heute könnte ich mich tatsächlich fast dazu hinreißen lassen.

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*Update 18.7.: Inzwischen offiziell von der Staatsanwaltschaft bestätigt.


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Fußball-WM: Eine Bilanz

Auch wenn es sich bekanntermaßen bei Spielen großer Fußballturniere nur um 22 bekloppte Millionäre handelt, die einem Ball hinterherrennen: Es macht trotzdem Spaß, zuzuschauen und mitzufiebern!

Nun hat es nicht ganz gereicht für die spielerisch beste deutsche Herren-Fußball-Nationalmannschaft, die ich persönlich jemals gesehen habe. Fürs kleine Finale am Samstag bleiben die Däumchen weiterhin fest gedrückt – wenn schon nicht offizieller Weltmeister, dann hoffentlich wenigstens Weltmeister der Herzen.
Was auch immer passiert, die deutschen Fußballer können hocherhobenen Hauptes nach Hause kommen – danke für die schönen Spiele, Jungs!

Nichtsdestotrotz bedeutet Mitfiebern bei der Fußball-WM ja nicht zwangsläufig, das Resthirn abzuschalten. Schauen wir mal, was in den letzten Wochen mehr oder weniger klammheimlich im Schatten des Fußballs angeleiert, losgetreten oder durchgewunken wurde. Ganz spontan fällt mir ein (ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit oder chronologisch richtige Reihenfolge):

  • Swift. Gestern wurde das in Sachen Datenschutz ach so gar nicht akzeptable Abkommen vom Europäischen Parlament durchgewunken. Damit können die USA ungestört in den Daten europäischer Überweisungen schnüffeln – alles im Namen der Terrorismus-Bekämpfung, versteht sich. Datenschutzrechtlich ist jetzt alles gut, denn jetzt soll ein europäisches Büro eingerichtet werden, das die Daten so aufbereitet, dass nicht mehr ganze Datenpakete pauschal an die USA übergeben werden. Schon in fünf Jahren soll es seine Arbeit aufnehmen.
  • Die Ölpest im Golf von Mexiko erscheint in den Medien nur noch unter ferner liefen. Der Mensch gewöhnt sich eben an alles. Wenn das auch für das Trinken ölverseuchten Wasser gilt, dann sind wir evolutionär einen echten Schritt nach vorn gekommen. Blöderweise stellt sich heraus, dass die Haftungsfrage für solche Umweltkatastrophen keineswegs so klar zu beantworten ist, wie sich das der mit normal arbeitendem Verstand gesegnete Mensch denkt (wer’s kaputt macht, zahlt). Letztlich zahlt wieder mal und wie immer – der Steuerzahler, sei es eine Ölpest in der Nordsee oder ein Atomunfall. Und wieder kann man sich fragen, warum zwar die Allgemeinheit für die Kosten geradestehen muss, an den Gewinnen aber immer nur dieselben Grüppchen partizipieren. Dies scheint die Auslegung des Begriffs Solidarsystem im 21. Jahrhundert zu sein.
  • Apropos Solidarsystem: Wieder mal wurde an der Reform der Krankenversicherung gearbeitet. Wieder mal kam nur eines heraus: steigende Beiträge für die Versicherten. Die Arbeitgeber dürften sich  die Hände reiben, die Versicherten sich auf das einstellen, was sie zur Genüge kennen: zahlen, zahlen, zahlen. Oder verrecken.
  • Dann ist da ja auch noch das unsägliche „Sparpaket“ der Regierung. Eines der Highlights ist die Streichung von Heizkostenzuschüssen für ALG-II-Empfänger. Da hat wohl wer beim Sarrazin abgeschrieben. So ein Pullover ist halt doch eine ganz tolle Alternative zur Heizung. Jedenfalls fürs Proletariat.
  • In all dem (selbst fabrizierten) Schlamassel fällt dem gemeinen CDUler nichts Besseres ein, als nach Roland Koch zu weinen. Entbehrt immerhin nicht einer gewissen Logik: Vielleicht fällt dem ja mal wieder was über ein paar „jüdische Vermächtnisse“ ein; die könnten dann anstatt den CDU-Wahlkampf die Staatskasse bereichern.
  • Und dann noch aus der Rubrik „Worüber die Medien zu berichten vergaßen“: Nicht nur Google und Facebook sind sammelwütig, sondern auch die EU. Dient natürlich nur der besseren Strafverfolgung von Pädosexuellen. Ganz ehrlich, ich schwör.

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Verfassungsschutzbericht 2009 – eine kleine Presseschau

Da geisterte sie wieder durch die Presse, die linke Terrorgefahr. Eine kleine Presseschau (in alphabetischer Reihenfolge) zur Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2009 am 21. Juni:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Und das sind die Tatsachen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachzulesen im Verfassungsschutzbericht 2009 auf den Seiten 30 und 40 des PDF-Dokuments.

Gewalt ist durch keine politische Richtung zu rechtfertigen. Diese als Journalismus getarnte Meinungsmache allerdings auch nicht.

Fast könnte man glauben, der Staat stünde kurz vor der Übernahme durch linke Gewalttäter.  Doch es sind gar nicht die Linksextremen, die den Staat zerstören, genauso wenig wie Neonazis, auch wenn beide Gruppierungen auf ihre Weise daran arbeiten.

Nein, dafür ist die sogenannte bügerliche Mitte ganz allein verantwortlich. Wie die systematisch das Solidarsystem (die Älteren unter uns werden sich erinnern: die Starken/Reichen unterstützen die Schwachen/Armen) zerschlägt und das unter dem Deckmäntelchen von Reformen und Sparzwängen als Erfolg verkauft, sollte eigentlich langsam mal wesentlich mehr Menschen auf die Straßen treiben.

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Ordnung muss sein

Interessant: Kaum erwähnt man das Wort „Vuvuzela“, schon wird’s eng im Blog. Es wird geklickt, gelinkt und kommentiert. Während ein Massaker im Irak oder die Ölpest niemanden hinter dem Ofen hervorlocken – nicht einmal diejenigen, die die Fußball-WM für ein Instrument zur fortschreitenden Verblödung zwecks leichterer Regierbarkeit des jeweils verblödeten (und ertaubten) Volkes halten.

Nichtsdestotrotz kommt hier heute keine Vuvuzela vor. Sondern Hühner. Die machen im Zweifelsfall deutlich angenehmere Geräusche (sofern man ihnen keinen Haken in den Fuß rammt, um sie kopfüber hängend am Fließband in die vollautomatische Hühnerköpfmaschine fahren zu lassen).

Nichts in diesem Lande darf unreguliert bleiben. Schon gar nicht das Halten von Hühnern. Und so kann es nicht angehen, dass ein Mensch zwei Hühner auf seinem Balkon hält. (Dass dieser Mensch ein sogenannter Hartz-IV-Empfänger ist, wird in jedem Artikel erwähnt, aber nicht, warum das für den Sachverhalt von Belang sein soll. Dass es sich bei „Hartz IV“ um Arbeitslosengeld II handelt, hat sich bei den Medienmachern wohl auch noch nicht herumgesprochen.)

Das Amtsgericht Köln hat also nun diesem Menschen verboten, auf seinem Balkon zwei Hühner zu halten. Bis hierhin alles wie gehabt. Nachbarn beschweren sich (Natur bitte nur im Fernsehen und Tiere nur im Zoo), das Gericht schreitet ein. Auch das Urteil bringt nichts Überraschendes: Motzende Nachbarn und klagender Vermieter kriegen Recht. Man könnte getrost weiterblättern – wäre da nicht die Urteilsbegründung. Zitiert aus der Rheinischen Post: „Laut Urteil gehören Hühner im ,hiesigen Kulturkreis’ in einen Stall und nicht auf einen Balkon. Auf einem Balkon haben die Tiere aus Sicht des Gerichts keinerlei Auslauf …“

Ähm … bitte? Hühner brauchen Auslauf? Und warum sitzen sie dann (im günstigen Fall) auf 893 Quadratzentimetern (das ist eine Fläche von ca. 30 x 30 cm, ein DIN-A4-Blatt hat Seitenlängen von 21 x 29,7 cm) – unter großem Getöse aufgestockt von den bisherigen 550 Quadratzentimetern (ca. 23 x 23 cm) und als der große Tierschutzknaller verkauft – wenn sie der Deutschen täglich Frühstücksei legen müssen?

Alles zum Wohle des Tieres, selbstverständlich, mit Geld oder Wirtschaftsmacht hat das gaaar nichts zu tun. Viele Grüße an die Richter in Köln. Und guten Appetit.

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Finde den Fehler!

Neu: Jetzt auch in Schwarz! +++ Worüber die Presse (mal wieder) zu berichten vergaß +++ Fisch in Öl – eine Delikatesse! +++ Heizkosten reduzieren? Ja, aber bitte nur à la Sarrazin und nicht durch überflüssige Technologien +++ Ein unvergessliches Urlaubserlebnis: diese Landschaft, diese Farben! +++ Wer kein Hotelier ist, hat Pech gehabt – Deutschland ist schließlich eine Dienstleistungsgesellschaft, was sollen wir da mit Hochtechnologie?

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Islamismus vs. Christismus?

Mit den Worten Islamisten und Islamismus werden im Allgemeinen moslemische Fundamentalisten und ihre Denkweise bezeichnet. Ich frage mich seit einiger Zeit, ob es auch Christisten und Christismus gibt? Und sind Buddhismus oder Hinduismus per se fundamentalistisch, oder ist die Ismus-Ähnlichkeit doch nur Zufall?

Hält eigentlich wirklich irgendjemand Menschen, die morden und dafür eine Religion als Vorwand benutzen, für echte Anhänger derselben? Glaubt ernsthaft jemand, Gaddafi hat aus islamischer Überzeugung zum „Heiligen Krieg“ gegen die Schweiz aufgerufen?

Wie war das eigentlich in Nordirland, als abartige Irre auf Schulkinder(!) geschossen(!) haben, weil sie die falsche christliche(!) Konfession hatten? Während des gesamten Nordirland-Konflikts mit seinen unzähligen Toten habe ich nie eine Debatte über das Christentum und dessen gewalttätige Wurzeln mitbekommen – geschweige denn eine Christentum-Konferenz.

Was ist eigentlich von selbst ernannten christlichen Lebensschützern zu halten, die morden, ohne auch nur den geringsten Widerspruch darin zu erkennen?
Was ist mit denen, die in Deutschland – vorgeblich im Namen ihrer Religion – in die Gesetzgebung hineinreden und ihre kruden Wertvorstellungen auch denjenigen aufzwingen wollen, die mit dieser Religion so gar nichts am Hut haben?

Alles nur von den „Linken“ erfunden … (denen kann man anscheinend so ziemlich alles anhängen).

Gewalttäter sind Gewalttäter und Mörder sind Mörder, egal was sie sich auf ihre Fahnen schreiben – ob da nun ein Kreuz, ein Halbmond oder Buddha drauf ist, ist absolut egal. Das Problem heißt Fundamentalismus, und das gibt es wahrscheinlich in jeder Religion. Ich möchte bitte in diesem Land keine Islam- oder Islamismus-, sondern eine Fundamentalismus-Debatte. ALLEN Fundamentalisten gehört das Handwerk gelegt.

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