Das Verbrechen „Händeschütteln“

Vorab: Meine inbrünstige Abneigung gegen den FC Bayern reicht bis tief in die 80er-Jahre zurück, meine Meinung über Uli Hoeneß kann ich hier nicht aufschreiben, weil das seine Persönlichkeitsrechte verletzen würde und justiziabel wäre (hängt sowohl mit erstgenanntem Sachverhalt als auch mit aktuellen Ereignissen zusammen), und Angela Merkel halte ich als Bundeskanzlerin für alles andere als eine Wohltat für dieses Land.

Aber ein Händeschütteln anlässlich eines Fußballspiels? Das soll jetzt zu einem Skandal hochgekocht werden? Im Ernst?

Auch wenn ich persönlich nach einer Selbstanzeige keinerlei Zweifel an der Schuld des Delinquenten hege (Unschuldsvermutung hin oder her), aber sind wir echt schon wieder so weit, dass (potenziellen) Straftätern Bürgerrechte und einfache Höflichkeiten verwehrt werden müssen? Braucht man demnächst wieder den guten, alten Pranger? Oder ist uns Merkel inzwischen so heilig, dass ein Handschlag von ihr die Weste ihres Gegenübers von allem Schmutz reinwäscht, deshalb nur ausgewählten Personen zuteil werden darf und ich hab’s mal wieder nicht mitbekommen? Was ist das für eine Gesellschaft, die junge Männer und Frauen ohne große Proteste in Tausende Kilometer vom eigenen Land entfernte Kriege schickt, sich aber über ein höfliches Händeschütteln echauffiert?

Vermutlich ist das nur ein ganz mieser Trick, um selbst Menschen wie mich dazu zu bringen, ohne Berücksichtigung der eigenen Antipathie für Angela Merkel Partei zu ergreifen. Und ich bin drauf reingefallen.

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Steinbrück sorgt vor

Da hat der Herr SPD-Kanzlerkandidat mal wieder einen echten Peer rausgehauen: Er findet das Kanzlergehalt zu niedrig. Man muss schon sehr abseits jeglichen politischen Geschehens stehen, um nicht die Verknüpfung herzustellen, Steinbrück wolle für seine eigene Zukunft als Kanzler vorsorgen.

Und man könnte sich fragen, wer einen solchen Menschen mit was bezahlt, als Kanzlerkandidat eine solche Äußerung zu tätigen. Nicht, dass es mich persönlich auch nur im Geringsten betrübt, wenn Steinbrück sich und die SPD schon lange vor der Bundestagswahl abschießt (was nicht heißt, dass ich scharf auf die Alternative bin). Aber mit normalem Verstand kann man so was doch nicht mehr erklären. Zumal sich die Damen und Herrn Volksvertreter auch noch eine Erhöhung für nächstes Jahr genehmigt haben – rund 6 Prozent für die Kanzlerin, die noch kürzlich etwas von „über die Verhältnisse leben“ und „Gürtel enger schnallen“ gefaselt hatte.

Wen vertreten diese Menschen eigentlich genau?* Das Volk jedenfalls nicht.

*Ich gebe zu, das ist eine rhetorische Frage. Die Macht in diesem Land liegt schon länger nicht mehr in den Händen der Politik.

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Gute und schlechte Nachrichten

Die gute Nachricht: Es bleibt uns erspart, ab 2013 von den Parteien, die unter anderem Hartz IV verbrochen haben, regiert zu werden. Ein Buchhaltertyp wie Peer Steinbrück wird es gegen Merkel nicht schaffen.

Die schlechte Nachricht: Uns bleiben mindestens weitere vier Jahre Schwarz-Gelb nicht erspart.

Revolution?

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Mindestlohn für Anfänger

Liebe Frau Merkel,

Sie sind ja klug und so, deshalb sind Sie Bundeskanzlerin und nicht ich. Und darum möchte ich, dass Sie mir mal Folgendes erklären:

Inzwischen haben Sie ja eingesehen, dass die Unternehmer sich die Löhne für ihre Mitarbeiter lieber von uns, den Steuerzahlern und -zahlerinnen, finanzieren lassen, als ihren Leuten selbst so viel zu zahlen, dass sie davon leben können. Die wären ja auch schön blöd, wenn sie solche auf dem Silbertablett präsentierten Möglichkeiten wie „Aufstocken“ nicht nutzen würden.

Und ich glaube Ihnen auch ganz bestimmt, dass Ihnen die Erkenntnis, dass man das nur mit einem Mindestlohn ändern kann, jetzt, nach Jahren, ganz plötzlich von selbst gekommen ist und gar nichts mit Wahl- oder Parteitaktik zu tun hat, echt.

Was ich aber gar nicht verstehe, ist „branchenspezifisch“. Ist ja auch ein langes Wort, nicht wahr. Ein Mindestlohn ist doch das, was man mindestens bekommen muss, um davon leben zu können. Wieso braucht, sagen wir mal, eine Friseurin weniger zum Leben als, sagen wir mal, ein Fensterputzer? Ich bin da echt zu doof für zum Verstehen.

Aber so ein richtig schönes Verwaltungsmonster kann das werden, wenn jede Branche ihren eigenen Mindestlohn kriegt. Das ist ja auch viel schöner als dieser ewige Einheitsbrei; „einheitlich“ und „flächendeckend“ klingen auch lange nicht so gebildet wie „branchenspezifisch“.

Vielleicht ist das ja echt schlau, dass die Politik nicht die Mindestlöhne festlegt, sondern die Tarifpartner. Ich finde, das sollte man auch für Diäten einführen.

Na ja, ich warte jedenfalls gespannt auf Ihre Antwort. Vielen Dank schon mal im Voraus. Wäre schön, wenn Sie mir die als Kommentar hier reinschreiben, Ihren Videoblog gucke ich nämlich nicht. Also ich mein, auch nicht, als Sie ihn noch extra für uns gemacht haben, anstatt irgendwelche Filmchen über das, wo Sie sowieso gerade rumeden, reinzustellen.

nachgetragen

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(K)Ein Märchen

Es war einmal der Herr Müller. Herr Müller war bei einer großen Firma angestellt. Er erhielt den Auftrag, die Belieferung mit Büromaterial sicherzustellen. Also verhandelte Herr Müller mit den größten Büromaterialherstellern im Land und fand ihr Angebot gut. Seine Firma hatte mit diesen Herstellern aber in den letzten Jahren schlechte Erfahrungen gemacht und verlangte von Herrn Müller, die Verträge mit den großen Büromaterialherstellern zu kündigen und nach Alternativen zu suchen. Herr Müller wusste aber viel besser, was gut für seine Firma war. Er verhandelte weiter mit den großen Herstellern und schloss mit ihnen einen Vertrag ab, der ihnen auf Jahrzehnte garantierte, die Firma mit ihren Produkten beliefern zu dürfen. Als die Firma den Vertrag zu sehen verlangte, um Kosten, Nutzen und Risiken für das Unternehmen abschätzen zu können, lehnte Herr Müller ab: Der Vertrag sei geheim. Herr Müller erhielt die Kündigung.

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Hört sich blöd an? Ersetze „Herr Müller“ durch „Frau Merkel“, die „Firma“ durch den „Staat“ und die „Büromaterialhersteller“ durch „Energieversorger“. Dann hört es sich zwar immer noch blöd an, ist aber bittere Realität.

Greenpeace veröffentlicht ein Dokument, bei dem es sich um den Vertrag zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke handeln soll.

nachgetragen

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