Was „Habent Papam“ und die Bienen miteinander zu tun haben

Jetzt haben die Katholiken wieder einen Papst, ein Glück für sie. Sollen sie haben und damit glücklich werden. Genauso wenig allerdings, wie ich Liveticker und Dauerwerbesendungen zur Wahl eines neuen Präsidenten des FC Bayern München in den angeblich unabhängigen Medien erleben möchte, möchte ich anlässlich einer Wahl für den Voristzenden eines religiösen Vereins insbesondere vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zwangsweise mitbeglückt werden.

Wer sein Denkorgan trotz der medialen Gehirnwäsche, die nicht erst mit der Wahl Ratzingers zum Papst begann, sich aber seitdem um ein Vielfaches verstärkt hat, noch gebrauchen kann, sollte sich wirklich fragen, wie verknöchert und gestrig ein Verein samt seinen Anhängern und PR-Beauftragten Medienanstalten sein muss, der einen Menschen als mutig bejubelt, nur weil der sich einen in seiner Berufsgruppe bisher nicht gebrauchten Namen zulegt.

Unvergessen: Radio Vatikan WDR2 eröffnet seine Radionachrichten mit der überaus wichtigen Information: „Der Papst hat soeben seine Privatgemächer betreten.“ – seit 2005 unangefochtenes Highlight und schwer zu unterbietender Tiefpunkt im Niveau öffentlich-rechtlicher HofBerichterstattung. Aber nicht verzagen, wenn Ihr Euch anstrengt, kriegt Ihr das auch noch hin. Mit dem Bejubeln von „Mut“ für einen Namen seid Ihr schon ganz nah dran, liebe öffentlich finanzierte Hofberichtestatter Journalisten.

Und wo kommen die Bienen ins Spiel? Ganz einfach. Hat irgendjemand in den Mainstream-Medien die Information bekommen, dass dank Deutschland und Großbritannein ein bienenschädliches Pestizid in der EU nicht verboten wird? Vermutlich nicht, dafür muss man wohl in die nichtdeutsche Presse, wie zum Beispiel den britischen Guardian schauen.

The world‘s most widely used insecticides, linked to serious harm in bees, will not be banned across Europe. The European commission proposed a two-year suspension after the European Food Safety Authority deemed the use of the neonicotinoids an unacceptable risk, but major nations – including UK and Germany – failed to back the plan in a vote on Friday.

Das auf der Welt am häufigsten verwendete Insektizid, das mit schwerwiegenden Schädigungen bei Bienen in Verbindung gebracht wird, wird in Europa nicht verboten. Nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Verwendung von Neonicotinoiden als untragbares Risiko eingeschätzt hatte, schlug die Europäische Kommission einen zweijährigen Gebrauchsstopp vor, dem bedeutende Staaten – darunter Großbritannien und Deutschland – in einer Abstimmung am Freitag jedoch ihre Zustimmung verweigerten.
(Übersetzung von mir.)

Jetzt betet mal schön. Schade nur, dass das die Bienen nicht retten wird. Aber Monsanto und Co. verkaufen sicher demnächst Pollen to go, patentrechtlich geschüzt selbstverständlich, und ausschließlich zum Wohle der gesamten Menschheit entwickelt. Wer braucht schon Bienen.




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Päpstliche Erkenntnis

Tage- und wochenlang könnte man sich über unseren Outsideminister auslassen – er bietet eine schier unendliche Menge Stoff. Aber wir sind ja auch noch Papst.

Ein abscheuliches Verbrechen ist also der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Vermutlich sollen wir froh und dankbar sein, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche sich der neu aufgedeckten Missbrauchsfälle so aufrecht und brutalstmöglich annimmt.

Wer konnte denn auch ahnen, dass auffällig gewordene Priester, die man unauffällig versetzt, erneut ihre Finger nicht bei sich halten können? Mangelnde Transparenz, verschwiemelte Reaktionen auf Verdachtsmeldungen, Geheimhaltung und defensives Kleinreden sind im Klerus noch immer gang und gäbe. Straffällig gewordene Priester wurden bislang lediglich versetzt und mitunter sogar vor dem Zugriff der Staatsanwaltschaft geschützt. Sie konnten daher munter weiter sündigen.

Das schrieb Spiegel Online. Im Jahr 2002. Und das, wo doch Kardinal Joseph Ratzinger dafür gesorgt hat, „dass 2001 die kirchliche Strafverfolgung verbessert und die Strafen verschärft wurden“.

Im Gegensatz dazu behauptet die BBC-Dokumentation „Sex Crimes and the Vatican“ von 2006, dass es eine Anweisung gegeben habe, solche Fälle geheim zu halten und zu vertuschen, was natürlich aus Rom heftig dementiert („Fehlinterpretation“), aber auch von anderer Seite hinterfragt wurde.

Tatsache ist: Hätte der Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, Pater Klaus Mertes, mit seinen Briefen an die ehemaligen Schüler des Kollegs nicht versucht, das ganze Ausmaß des Skandals bei den Jesuiten aufzudecken, hätten längst nicht so viele Opfer den Mut gefunden, sich zu melden, wie es jetzt der Fall ist.

Eine Lawine scheint losgetreten, die hoffentlich unter keinen Teppich mehr passt. Den päpstlichen Zeigefinger zu schwingen und entrüstet zu gucken, hilft da genauso wenig, wie mit bebender Stimme alte Wahrheiten zu verkünden. Ja, der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (und übrigens nicht nur der) ist ein abscheuliches Verbrechen. Aber das wussten wir schon lange, Herr Papst.
Sie auch?

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