Storch gegen Donnergott

… und es sieht gut aus für den Storch. Der heißt Heinar, mit vollem Namen also Storch Heinar, und ist dem Donnergott Thor, Nachname Steinar, gehörig auf die Füße getreten.

2008 startete Mathias Brodkorb, Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern für die SPD, die Persiflage auf das bei rechten Wirrköpfen beliebte Modelabel „Thor Steinar“. Logo und Namensgeber ist ein Storch mit Seitenscheitel und Bärtchen, doch das inzwischen recht umfangreiche Sortiment umfasst auch andere Motive für Klamotten und Accessoires.

Größte Tasse aller Zeiten

Thor Steinar war not amused, Verzeihung, nicht amüsiert, Verzeihung, nicht erheitert und verklagte Storch Heinar in der Person von Mathias Brodkorb wegen Verletzung des Markenrechts und Verunglimpfung der hochgepriesenen Marke des Donnergotts.

Heute war nun in Nürnberg der Verhandlungstermin, und der Richter machte klar, dass zwar im Fall der Verwendung des Aufdrucks „Wüstenfuchs“ auf einer Tasche eine Verletzung der Namensrechte vorlag – es geht um einen Streitwert von 119,60 Euro –, dass aber keine Verwechslungsgefahr der beiden Marken vorliegt, und dass die Persiflage unter die Kunstfreiheit fällt. Die Urteilsverkündung ist für den 11. August angesetzt, aber die Empfehlung des Richters an Thor Steinar, die Klage zurückzuziehen, lässt schon jetzt deutliche Rückschlüsse zu, wie der Prozess ausgehen wird.

Geht doch!

nachgetragen


Quellen und weitere Infos:

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Neues vom Prozess um Dominik Brunners Tod

Zurzeit läuft in München der Prozess gegen die Schläger, die Dominik Brunner auf dem Gewissen haben. Den Mann, der (als Einziger) eingegriffen hat, als drei Männer einigen Teenagern Geld zum „Partymachen“ (auf Deutsch: saufen) stehlen wollten. Jetzt sind neue Erkenntnisse ans Licht gekommen.

Zunächst hat sich herausgestellt, dass der erste Schlag wohl von Domink Brunner und nicht von den jungen Männern kam. Weiterhin heißt es, Brunner sei nicht an den Faustschlägen und Tritten, sondern an Herzversagen gestorben.

Das ändert die Sache natürlich grundlegend.

Erstens kann es nicht angehen, dass jemand als „Held von Solln“ auf einen Sockel gestellt wird, der letztendlich doch nur ein Mensch mit Schwächen und Fehlern ist. Helden haben reine, unbefleckte Wesen ohne jeden menschlichen Makel zu sein. Schon gar nicht dürfen sie wütend werden oder die Beherrschung verlieren. Und wenn das doch geschieht, dann ist es auch okay, sie totzuschlagen und noch auf sie einzutreten, wenn sie bereits am Boden liegen.

Und dann soll es auch noch einen Obduktionsbericht geben, der belegt, dass die Ursache für Dominik Brunners Tod Herzversagen aufgrund eines Herzfehlers war.* Dann lag es also gar nicht an einem durch einen Faustschlag verursachten Milzriss oder einem Schädelbasisbruch nach einem Fußtritt auf den Kopf. Auch lag es nicht an durch Schläge oder Tritte gebrochenen Rippen, die lebenswichtige Organe durchstochen haben.

Das entlastet die Angeklagten natürlich ungemein. Schließlich können sie ja nichts dafür, dass der Mann, auf den sie einprügeln und eintreten, möglicherweise einen Herzfehler hat und dass dieses Herz unter dem Stress des Zusammengeschlagen- und -getretenwerdens schlappmacht.

Was mischt der sich überhaupt ein, wenn er schon ein krankes Herz hat? Das ist doch verantwortungslos. Vielleicht können die Schläger ja noch Schmerzensgeld herausholen, weil Brunner ihnen zugemutet hat, vor ihren Augen nach ein paar Schlägen und Tritten zu verrecken? Noch dazu hat er ja zuerst zugeschlagen (ein Mal). Da muss es doch erlaubt sein, auszurasten, jegliche Hemmungen und Kontrolle zu verlieren und den Bastard plattzumachen?

Glücklicherweise sieht die Staatsanwaltschaft München das anders. „Herr Brunner ist infolge der Schläge und Tritte daran gestorben, dass das Herz stehengeblieben ist“, wird Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger auf Spiegel-online zitiert, und damit sei die Kausalität klar: Brunner würde nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ohne die massiven Schläge und Tritte noch leben.

Allerorten ist schon von der „Wende“ im Fall Brunner zu lesen. Denn was kann es für die Medien Schöneres geben, als einen Helden vom Sockel zu stoßen? Offensichtlich nichts. Die Liste der „Wende“-Rufer ist lang, wie eine Suche im Internet mit den Begriffen „Wende, Brunner“ beweist. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich mal mit der Zeitung mit den großen Buchstaben sympathisieren würde. Heute könnte ich mich tatsächlich fast dazu hinreißen lassen.

nachgetragen

*Update 18.7.: Inzwischen offiziell von der Staatsanwaltschaft bestätigt.


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