Stuttgart 21: mangelhaftes Brandschutzkonzept

Der Brandschutz beim geplanten unterirdischen Bahnhof in Stuttgart ist ungenügend. So ist es heute auf Stern.de zu lesen, und zwar hier und hier .

Moment … was genau war davon 2010 noch nicht bekannt? Ich habe jedenfalls gerade ein Déjà-vu. Was muss eigentlich passieren, damit eine Fehlplanung als solche benannt und gestoppt wird? Wie viele Tote braucht es dafür?

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Hinschauen, bevor „depubliziert“ wird!

Das sollte man gesehen haben:

Monitor Nr. 613 vom 21.10.2010

Stuttgart 21

Warum die Polizei wirklich so hart zuschlug

http://wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/1021/stuttgart.php5

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Hier das komplette Interview mit Thomas Mohr, dem jetzt Repressalien dienstliche Maßnahmen drohen, weil er das Spiel nicht stumm mitspielen will und sein grundgesetzlich verbrieftes Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt:

Interview Thomas Mohr (21.10.2010)

Gewerkschaft der Polizei

http://wdr.de/tv/monitor/extra/interviews/mohr_101021.php5

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Ganz anderes Thema, aber trotzdem nicht weniger brisant:

Frisch auf den Müll: Die globale Lebensmittelverschwendung

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll! Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das entspricht etwa 500.000 Lkw-Ladungen pro Jahr.
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zu spät – nicht mehr im Netz
Update 9.1.2011: Hier gibt es die Doku auf Youtube. Mal sehen, wie lange: http://www.youtube.com/watch?v=zQBxwU7qFvc

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nachgetragen
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Sternstunde der Demokratie!

Diesen Satz  von Heiner Geißler zum Beginn der Schlichtungsgespräche zu Stuttgart 21 sollte sich jeder, der in diesem Land angeblich in einer Demokratie lebt, ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen:

„Das hat es bisher in der Form noch nie gegeben, dass sich Regierung, Unternehmen, Träger auf einer Ebene, in Augenhöhe treffen mit denjenigen aus der Zivilgesellschaft, die hier eine andere Auffassung haben. Dies ist natürlich in keiner Weise eine Abwertung unserer parlamentarischen Demokratie (…).“
(Der Rest des Satzes war im Radiobericht, aus dem ich dieses Zitat entnommen habe, abgeschnitten.)

Auf Augenhöhe mit Menschen, die eine andere Auffassung haben? Wow! Was für eine Errungenschaft, und noch dazu wenn man bedenkt, dass es das in dieser Form noch nie gegeben hat! Da müssen wir aus der Zivilgesellschaft (wieso zählt Herr Geißler die Regierenden nicht dazu?) jetzt aber mächtig dankbar sein, oder?

Und wenn ich lese, dass die parlamentarische Demokratie nicht abgewertet wird, weil sich mal jemand zu uns auf die Ebene der Zivilgesellschaft herablässt, macht mich das regelrecht ergriffen.

Heiner, wir danken dir!

nachgetragen

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Fluchtwege? Brandschutz? Nebensache. Der Profit muss stimmen

Erstaunlich, wie sich manche Dinge ähneln …

(1) So befreit der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im (…) Amt für Baurecht und Bauberatung die Organisatoren von der Vorschrift, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig verzichten die Beamten großzügig auf „Feuerwehrpläne“.

(2) Selbst grundlegende Sicherheitsfragen sind noch unbeantwortet. So monieren Ingenieure, dass die gültigen Auflagen für „Brandschutztore bisher in der Entwurfsplanung noch nicht umgesetzt“ wurden und dass „die Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen (…) bisher nicht geplant“ sind.

(1) steht bei Spiegel Online, (2) auf Stern.de. In beiden Texten geht es um Mauscheleien bei Großprojekten mit dem Ziel der Gewinnmaximierung für einige Beteiligte.

Die Folgen von (1) sind bekannt, die von (2) ließen sich noch verhindern.

nachgetragen

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Stuttgart 21 zum Nachlesen

Ein Schmankerl vorab: Bahnchef Grube und sein Demokratieverständnis:

Grube sieht „kein Recht auf Widerstand“
„Ein Widerstandsrecht gegen einen Bahnhofsbau gibt es nicht“, sagte er (Bahnchef Rüdiger Grube, Anm.) der „Bild am Sonntag“. Entscheidungen träfen in Deutschland die Parlamente und „niemand sonst“.
www.tagesschau.de, 3.10.2010

Unbequeme Gutachten
Nach und nach und immer erst auf Druck und Nachbohren kommen immer mehr Wahrheiten ans Licht. War zu Beginn noch von zwei Milliarden Euro die Rede, so sind die Kosten seither explodiert. Laut Berechnung eines Münchner Verkehrsplanungsbüros wird «Stuttgart 21» bis zu acht Milliarden Euro teuer. Auch die ICE-Strecke schlägt statt mit knapp drei mit über fünf Milliarden Euro zu Buche. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, korrigierte daraufhin die Kosten für den Bahnhofsbau nach oben. Dass die StuttgarterInnen sich nicht nur einen teuren, sondern in vieler Hinsicht auch schlechteren Bahnhof einhandeln würden, kam durch das Bekanntwerden einer geheim gehaltenen Studie des Zürcher Ingenieurbüros SMA von 2008 ans Licht. Es prognostiziert dem Tiefbahnhof und den Tunnelstrecken Kapazitätsengpässe, die «das Gesamtsystem schwer beherrschbar» machen.
Die Wochenzeitung (Schweiz), 12.8.2010

Bahn und Bund verschwenden Steuergeld
Bahn und Bund geben nach ZEIT-Informationen Milliarden für unnötige Projekte aus. In einer Umweltbundesamt-Expertise wird gefordert, etwa auf Stuttgart 21 zu verzichten.
In dem Gutachten für das Umweltbundesamt (UBA) heißt es, die Infrastrukturpolitik müsse „grundlegend umgestaltet“ werden und diese Kehrtwende dulde „keinen weiteren Aufschub“. Ohne „Verzicht auf die Prestigeprojekte“ beim Schienenbau seien „die sinnvollen Vorhaben nicht einmal bis 2030 finanzierbar“.
Die Zeit, 11.8.2010

Täglich Schwabenstreiche
Rückenwind erhält die Kritik lokaler Oppositionsgruppen an «Stuttgart 21» durch prominente auswärtige Gutachter, deren Urteil nicht einfach ignoriert werden kann.
So kam das Schweizer Büro SMA + Partner zu einem äusserst gemischten Urteil, fand einerseits gute Betriebsqualitäten bei einzelnen Trassees und Haltepunkten, rügte aber auch Engpässe, «geringe Gestaltungsmöglichkeiten des Fahrplans» und sprach endlich gar von einem «schwer beherrschbaren Gesamtsystem». Das Gutachten lag seit 2008 vor, seine negative Bilanz aber, von Politik und Deutscher Bahn unter Verschluss gehalten, kam erst kürzlich ans Licht. Und dass jetzt ruchbar wurde, ein für das Umweltbundesamt in Berlin erstelltes Gutachten fordere, «Stuttgart 21» umgehend zu stoppen, ist ein weiterer Schlag ins Kontor, zumal es in seiner Essenz die gleiche Stossrichtung hat wie die Einwände der Aktivisten von «K 21», die nun zusätzlich Autorität erhalten, nämlich: Die Milliarden, die in Stuttgart verbaut werden, gehen zulasten anderer Bahnprojekte; die in Aussicht gestellte Verlagerung des Fracht- und Pendlerverkehrs von der Strasse auf die Schiene ist unter den gegebenen Bedingungen unwahrscheinlich, der ökologische Nutzen damit hinfällig.
NZZ Online (Schweiz), 13.8.2010

Stuttgart 21: Wenn es unterirdisch wird
Es kommen auch ständig neue Peinlichkeiten ans Licht, zum Beispiel ein Gutachten von 2008, das die Landesregierung bei Schweizer Verkehrsexperten in Auftrag gegeben hatte. Der Bahnhof soll unter der Erde nur noch acht Gleise besitzen statt, wie bisher, 17. Das Gutachten kommt zu dem auch für Nichtexperten wenig überraschenden Ergebnis, dass ein Bahnhof mit acht Gleisen, egal, wie viele Milliarden sein Bau verschluckt, in vielerlei Hinsicht weniger leistungsfähig ist als ein Bahnhof mit 17 Gleisen. Der neue Bahnhof werde schlechter funktionieren als der alte. Die Regierung hat darauf verzichtet, das an die große Glocke zu hängen.
Nun kommt das Umweltbundesamt zum gleichen Ergebnis – eine gigantische Milliardensumme werde, genau genommen, dafür ausgegeben, den ohnehin krisengeschüttelten Bahnverkehr in Deutschland noch einmal entscheidend zu verschlechtern. Der neue Bahnhof stünde, so das Umweltamt, bei „jeder geringfügigen Verspätung am Rande des Kollapses“.
Der Tagesspiegel, 13.8.2010

Schwankende Neubauten
Wer die Voraussagen der Sachverständigen kennt, muss von dem Großprojekt „Stuttgart 21“ dringend abraten: Im Untergrund des geplanten Bahnhofs lauern geologische Katastrophen, deren Auswirkungen nicht absehbar sind. Ein Experte warnt.
Die Bahn verkündet in ihren Stuttgart-21-Broschüren, dass sie Hunderte Probebohrungen im ganzen Stadtgebiet durchgeführt habe, um die vier Tunnel, die kreuz und quer unter die Innenstadt geschoben werden müssen, sinnvoll zu postieren.
In diesen Werbeprospekten ist natürlich nicht davon die Rede, dass bei den Bodenuntersuchungen an vielen Stellen, wie befürchtet, Anhydrit gefunden worden ist; jenes Mineral, das, wenn es längere Zeit mit Feuchtigkeit in Berührung kommt, um 50 Prozent anschwillt und unaufhaltsam alles zur Höhe oder zur Seite drängt, was in seiner Nähe ist. „Salzsprengung“ nennen die Physiker diesen Vorgang, der beim Berg- und Tunnelbau katastrophale Folgen hat.
süddeutsche.de, 18.8.2010

Tricksen und täuschen
Auch ein neues Gutachten der Beratungsfirma KCW für das Umweltbundesamt (UBA) sieht keinen Bedarf für das Megaprojekt. Autor Michael Holzhey: „Sämtliche Analysen und Prognosen der DB AG decken sich mit der Einschätzung, wonach die tatsächlichen Engpässe des deutschen Netzes nicht im Stuttgarter Bahnknoten liegen.“ Und das bedeutet: Die Steuermilliarden wären besser anderswo angelegt.
Auch über die wahren Kosten werden Bürger und Parlament getäuscht. Als S21 beschlossen wurde, sollte das Projekt drei Milliarden Euro kosten, plus zwei Milliarden Euro für die dazugehörige ICE-Neubaustrecke nach Ulm. Bahnchef Grube ließ nachrechnen – nun liegen die Gesamtkosten offiziell schon bei sieben Milliarden. Immer noch viel zu niedrig, meinen Experten. Mehr als 60 Kilometer Tunnel müssen durch schwierigstes Karstgestein im Stadtgebiet und der Schwäbischen Alb gebohrt, 55 Brücken müssen gebaut werden. Die neue UBA-Studie rechnet mit Gesamtkosten von mindestens neun, eher elf Milliarden Euro – das Doppelte des Betrags, der einst Basis der politischen Entscheidung war.
Frankfurter Rundschau, 19.8.2010

Wie die Bahn Milliarden in den Sand setzt
Nicht der unterirdische Bahnhof als architektonisches Projekt ist das Problem, sondern das Gesamtkonzept, die komplette Untertunnelung Stuttgarts mit Durchgangsbahnhof, eine fehl geplante Neubaustrecke sowie die Ausrichtung der Schieneninfrastruktur auf den Hochgeschwindigkeits-Personenverkehr sind der grundlegend falsche Ansatz. Der Stuttgarter Bahnhof wird heute zu 90 Prozent für Regional- und Nahverkehrskunden und zum Umsteigen in den Fernverkehr genutzt. Nur wer schnell unter Stuttgart durchfahren will hat mit S 21 Vorteile.
Für den Regional- und Nahverkehr bringt der neue Bahnhof auf einigen, wenig genutzten Relationen Vorteile, die man aber auch ohne ihn realisieren könnte. Einige Verbindungen verschlechtern sich gar. Es ist wirtschaftlich und verkehrspolitisch absurd, für 10 Prozent der Kundschaft Milliarden zu verschwenden, die man dringend zur Verbesserung des Nah- und Regionalverkehrs sowie des Güterverkehrs bräuchte.
Handelsblatt, 23.8.2010

Boris Palmer: „Stuttgart 21 ist umkehrbar“
Tübingens Oberbürgermeister Palmer erhebt im FOCUS-Online-Interview schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen des umstrittenen Bauprojekts Stuttgart 21. FOCUS Online: Sie haben bei der Entscheidung für Stuttgart 21 selbst eine wesentliche Rolle gespielt. Vor der letzten Oberbürgermeister-Wahl einigten Sie sich mit CDU-Kandidat Schuster, Ihre Bewerbung zurückzuziehen. Dafür versprach er Ihnen, einen Bürgerentscheid zuzulassen, falls Stuttgart 21 um mehr als 100 Millionen teurer werden würde. Diesen Bürgerentscheid hat er dann aber zurückgewiesen. Waren Sie zu naiv?
Palmer: Ich hielt das Versprechen damals für glaubwürdig, weil es vor den Augen der ganzen Stadt ausgesprochen wurde. Und dahinter stand nicht nur der Oberbürgermeister, sondern auch der CDU-Fraktions- und Parteivorsitz. Stuttgart 21 wurde um mehr als 100 Millionen teurer und es gab genügend Stimmen für einen Bürgerentscheid. Doch Schuster hat sein Wort gebrochen. Das konnte ich mir damals tatsächlich nicht vorstellen.
Focus Online, 24.8.2010

Stuttgart-21-Architekt fordert den sofortigen Baustopp
Er war einer der Väter von Stuttgart 21, doch nun fordert er den sofortigen Stopp des umstrittenen Bahn-Projektes: Architekt Frei Otto warnt eindringlich vor den Gefahren für „Leib und Leben“. Eine Untersuchung bestärkt ihn.
Ein geologisches Gutachten für die Deutsche Bahn von 2003, das bisher nur ein kleiner Personenkreis kannte, nicht aber Abgeordnete oder gar Stuttgarts Öffentlichkeit, bestätigt Frei Ottos Bedenken. Diese Studie des Ingenieursbüros Smoltczyk & Partner, die dem stern vorliegt, belegt, wie gefährlich Stuttgarts Untergrund ist: löchrig wie ein Käse, voller Dolinen und Hohlräume, sie zeigt, dass Bauarbeiten in diesem Grund enorm schwierig werden. Es lässt sich kaum abschätzen, wie lange sie dauern. Unkalkulierbar scheint zudem, wie viel die Arbeiten in diesem Untergrund kosten. „Mit dem Wissen von heute“, so Otto zum stern, „kann ich dieses Projekt nicht mehr verantworten. Ich würde auch nicht mehr in die Tiefe gehen, das wollte ich sowieso nie, das wollte der Auftraggeber“.
Der Tübinger Geologe Jakob Sierig, ein Spezialist für Anhydrid- und gipsführende Erdschichten, hat für das Magazin das Gutachten analysiert. Sein Befund: „Bei Stuttgart 21 geht es nicht um mögliche Risse in Häusern, es geht um mögliche Krater, in denen Häuser verschwinden können. Es geht um Menschenleben.“
Stern.de, 26.8.2010

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Es gibt noch so viel mehr …

nachgetragen

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Update 11. Oktober: Wer keine Lust hat, sich durch die einzelnen Links zu klicken, bekommt beim Spiegelfechter einen schönen Gesamtüberblick.

 

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S21: Gewalt ging von Demonstranten aus

Innenminister Rech war ja gleich von Anfang an sicher, dass die Gewalt von den Demonstranten ausging. Jetzt finden sich erste Beweise für seine Behauptung.

Hier zum Beispiel ist zu sehen, wie eine Schülerin mit einer gefährlichen Waffe auf Polizisten schießt.

Hier sieht man den gewaltbereiten Mob, der nur darauf wartet, loszuschlagen:

Foto: Cymaphore, Lizenz: CC-BY-SA

Hier sieht man, wie eine gewalttätige Demonstrantin eine verängstigte Polizistin brutal angreift.

Wer sich ein eigenes Bild machen will, kann dies auf fluegel.tv tun. Soeben (ca. 21.00 Uhr) war dort zu hören und zu sehen, dass nach der friedlichen Demonstration im Schlosspark, nachdem die Demonstranten zu ihrem Zug durch die Stadt aufgebrochen sind, die Scheinwerfer auf der Baustelle wieder angingen, die Bagger rollen und die Baumfällarbeiten offensichtlich weitergehen sollen.

Es ist ein Schreiben des Eisenbahnbundesamtes vom 30.09.2010 an die DB ProjektBau GmbH aufgetaucht (Seite 1, Seite 2) in dem es heißt:

Wir fordern Sie daher hiermit auf, rechtzeitig vor Aufnahme der Bauarbeiten im mittleren Schlossgarten, die zu relevanten Beeinträchtigungen aus landschaftspflegerischer Sicht führen können, den entsprechenden Teil der Landschaftspflegerischen Ausführungsplanung in zugestimmten Form (sic) vorzulegen.

Im Zusammenhang mit den bevorstehenden Baumfällarbeiten im Schlosspark weise ich darauf hin, dass Sie mit den Baumfällarbeiten nicht beginnen dürfen, bevor diese konkreten Ausführungsunterlagen, zumindest für die unmittelbar auszuführenden Landschaftspflegerischen Maßnahmen, dem Eisenbahn-Bundesamt vorgelegt wurden, da ansonsten Konflikte mit dem Naturschutz im Zuge der Projektverwirklichung nicht ausreichend beurteilt werden können.

(…)

Eine Stellungnahme, zumindest zum weiteren Vorgehen, ist spätestens am 8.10.2010 vorzulegen.

Vorausgesetzt es ist echt, ist wohl kaum davon auszugehen, dass auf das gestrige Schreiben schon so schnell reagiert wurde, dass die Fortsetzung der Baumfällarbeiten rechtens wäre. Damit ist nicht nur der Boden der Legitimität, sondern auch der der Legalität endgültig verlassen.

So sieht Demokratie in Deutschland heute aus.

nachgetragen

Update 2.10.2010: Heute ist auf www.swr.de Folgendes zu lesen:

Eine Sprecherin von Stuttgart 21 dementierte, dass das Eisenbahnbundesamt die Baumfällarbeiten am 1. Oktober im Schlossgarten untersagt hatte. Vor dem Beginn seien mögliche Bedenken noch ausgeräumt worden. Ein Schreiben des Eisenbahnbundesamtes sei damit hinfällig gewesen. Darin hatte die Behörde der Bahn vorgeschrieben, mit den Baumfällarbeiten erst zu beginnen, wenn die Ausführungen zur landschaftspflegerischen Begleitplanung vorliegen. Gemeint waren damit Maßnahmen zum Naturschutz, die den Juchtenkäfer, Fledermäuse und die Hohltaube betreffen.

Aha. Interessant, wie schnell auf Ämtern gearbeitet werden kann. Kennen wir ja alle aus eigener Erfahrung. Da ist ein Schreiben vom 30.9.2010 am 1.10.2010 schon hinfällig. Und Kastanien sind gefährliche Wurfgeschosse, die den Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern rechtfertigen. Alles klar.

Noch was: Besonders Innenminister Rech ist ja so schrecklich entsetzt über diese brutale Aggressivität, die den Polizisten da entgegengeschlagen sei.

Heribert Rech (CDU) sagte mit Blick auf die zahlreichen Verletzten, er sehe bislang „keine Anhaltspunkte dafür, dass auf Seiten der Polizei was schiefgelaufen ist“. Dass auch Mütter mit Kindern weggetragen wurden – eine „einfache Maßnahme der Polizei“ – könne für diese nicht sonderlich überraschend gewesen sein. Die Polizisten seien „entsetzt gewesen“ über die „Aggressivität, die ihnen da entgegengeschlagen“ sei. Es sei „bestürzend“, dass man zur Sicherung eines Baugeländes mit 20 bis 25 Bäumen 600 Polizeibeamte einsetzen müsse. (www.tagesspiegel.de)

Er kommt gar nicht erst auf die Idee, mal darüber nachzudenken, warum das so ist, und ob er als gewählter Vertreter genau dieser Menschen, auf die er da einprügeln lässt, nicht mal sein eigenes Verhalten hinterfragen sollte.

Für den Stuttgarter Polizeipräsidenten Siegfried Stumpf entstand im Schlossgarten plötzlich „eine gänzlich andere Dimension“. Bislang hätten seine Beamten immer entlang einer „Linie der Vernunft“ arbeiten können, hätten Demonstranten einfach wegschicken, abdrängen oder wegtragen können. Auch am Donnerstag sei man zunächst von einem normalen Polizeieinsatz ausgegangen. Weil die abzusperrende Baufläche für den neuen Bahnhof jedoch einen langen Zaun erfordert, wurden 700 Beamte, darunter je eine Hundertschaft aus Hessen, Rheinland- Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern, zusammengezogen. (www.tagesspiegel.de)

Jo, alles klar. Und weil das alles so überraschend kam, waren die Polizisten schon beim Aufbau des Zauns in voller Kampfmontur, wie im gestern verlinkten ARD-Video zu sehen ist.

"Normaler Polizeieinsatz" in voller Kampfmontur?

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Eher drängt sich der Verdacht auf, dass es unbedingt Krawall geben musste, um die öffentliche Meinung zu kippen, und dass die Polizisten natürlich von vornherein entsprechend ausgerüstet in die Schlacht zogen. Blöderweise spielten dieses Mal die Medien nicht mit (den Grund hierfür zu untersuchen, wäre auch nicht uninteressant).

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S21: Regierung gegen Volk

In Stuttgart fliegen die Fetzen – hauptsächlich aufseiten der Demonstranten, die nach allen Regeln der Kunst von der Polizei regelrecht auseinandergenommen werden. Hier ein paar bewegte Bilder der ARD: http://www.tagesschau.de/inland/stuttgart304.html

Im Video, 03:03: „Die Polizei geht deswegen so massiv vor, weil die Demonstranten sich so massiv wehren, hier den Platz, die Straßen zu verlassen, obwohl sie x-fach von der Polizei aufgefordert worden sind, zu gehen“, so ein nicht näher bezeichneter Offizieller.

Auf Deutsch heißt das wohl: Wenn nach mehrfachem „Bitte verlassen Sie den Platz“ nicht reagiert wird, wird geknüppelt, verletzt und es werden billigend schwere Verletzungen in Kauf genommen.

Zu weiteren Meldungen, nach denen ein Demonstrant sein Augenlicht verloren habe, konnte sie (Ministeriumssprecherin Alice Loyson-Siemereng) nichts sagen. (www.tagesspiegel.de)

Angesichts solcher Bilder bleibt einem eh jedes Wort im Halse stecken.

Das Wochenende steht vor der Tür. Ob Innenminister Rech glaubt, wenn bis zum Freitagmorgen alle Bäume gefällt sind, würden diejenigen, die – im Gegensatz zu den Demonstranten heute – tatsächlich gewaltbereit sind und nur um der Gewalt willen auf Demos gehen, zu Hause bleiben? Ich vermute, die werden jetzt erst in Stuttgart einfallen und das Wochenende auf ihre Art nutzen. Und damit ist niemandem gedient. Außer vielleicht denen, die damit weiter verschärfte Gewalt vonseiten des Staates rechtfertigen können.

Es steht geschrieben, also wird es durchgeknüppelt. Ob es nun eine Mehrheit ist, die gegen den Umbau des Bahnhofes ist oder nicht, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unwichtig. Wichtig wäre es gewesen, genau das im Dialog zu klären – ohne draußen vollendete Tatsachen zu schaffen, während drinnen diskutiert wird.

Immerhin, auch solche Bilder gibt es: Im Tagesschau-Video sieht man ganz am Schluss (03:50), wie ein/e Polizist/in in voller Rüstung sich um eine völlig fertige Demonstrantin bemüht.

nachgetragen

 

Update 1.10.2010: Vielleicht möchte Frau Alice Loyson-Siemereng ihre Informationen zu Verletzten und Verletzungen der gestrigen Polizeiaktion auffrischen. Kann sie zum Beispiel bei den Stuttgarter Nachrichten tun: Demonstranten drohen zu erblinden

 

Die Parkschützer (www.parkschuetzer.de) suchen Zeugen, um festzustellen, ob, wie es heißt, eine 70-jährige Frau auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben ist, nachdem sie von einem Polizisten zu Boden gestoßen und liegengelassen wurde und sich nicht mehr selbst erheben konnte.

 

Update 13.10.: Stuttgart 21: Verletzter Rentner bleibt blind.

Eine Sprecherin des behandelnden Stuttgarter Katharinenhospitals sagte am Mittwoch auf Anfrage, auf einem Auge werde definitiv keine Sehfähigkeit mehr eintreten.  (…)  Den Angaben zufolge wird der zuvor sehfähige 66-Jährige auch auf dem zweiten Auge schwer sehbehindert bleiben. Wagner werde auch mit diesem Auge nie mehr eine Sehfähigkeit erreichen können, die zum Autofahren oder Lesen reiche.

 

Ohne Worte.


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