Atomkraft ist sicher, Teil 3

Na so was … kaum ist ein Jahr vergangen, fällt jemandem auf, dass da immer noch ungesicherte Abklingbecken herumstehen. Zur Beruhigung: Die sind weit weg, in Japan. Bei uns ist natürlich alles ganz sicher. Erdbeben? Hier doch nicht. Und so ein paar Rauchbomben machen ja auch nix kaputt. Und überhaupt ist ja Frankreich auch ganz weit weg.

Schöne Liste übrigens, Herr Becker vom Spiegel, und wie schön, dass Tepco sie zur Verfügung gestellt hat. Wäre nett, eine solche Liste mal für Deutschland zu lesen.

 

PS: Jetzt mit dem richtigen Link zum Artikel über die Abklingbecken in Fukushima.

 

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Fußball-WM: Eine Bilanz

Auch wenn es sich bekanntermaßen bei Spielen großer Fußballturniere nur um 22 bekloppte Millionäre handelt, die einem Ball hinterherrennen: Es macht trotzdem Spaß, zuzuschauen und mitzufiebern!

Nun hat es nicht ganz gereicht für die spielerisch beste deutsche Herren-Fußball-Nationalmannschaft, die ich persönlich jemals gesehen habe. Fürs kleine Finale am Samstag bleiben die Däumchen weiterhin fest gedrückt – wenn schon nicht offizieller Weltmeister, dann hoffentlich wenigstens Weltmeister der Herzen.
Was auch immer passiert, die deutschen Fußballer können hocherhobenen Hauptes nach Hause kommen – danke für die schönen Spiele, Jungs!

Nichtsdestotrotz bedeutet Mitfiebern bei der Fußball-WM ja nicht zwangsläufig, das Resthirn abzuschalten. Schauen wir mal, was in den letzten Wochen mehr oder weniger klammheimlich im Schatten des Fußballs angeleiert, losgetreten oder durchgewunken wurde. Ganz spontan fällt mir ein (ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit oder chronologisch richtige Reihenfolge):

  • Swift. Gestern wurde das in Sachen Datenschutz ach so gar nicht akzeptable Abkommen vom Europäischen Parlament durchgewunken. Damit können die USA ungestört in den Daten europäischer Überweisungen schnüffeln – alles im Namen der Terrorismus-Bekämpfung, versteht sich. Datenschutzrechtlich ist jetzt alles gut, denn jetzt soll ein europäisches Büro eingerichtet werden, das die Daten so aufbereitet, dass nicht mehr ganze Datenpakete pauschal an die USA übergeben werden. Schon in fünf Jahren soll es seine Arbeit aufnehmen.
  • Die Ölpest im Golf von Mexiko erscheint in den Medien nur noch unter ferner liefen. Der Mensch gewöhnt sich eben an alles. Wenn das auch für das Trinken ölverseuchten Wasser gilt, dann sind wir evolutionär einen echten Schritt nach vorn gekommen. Blöderweise stellt sich heraus, dass die Haftungsfrage für solche Umweltkatastrophen keineswegs so klar zu beantworten ist, wie sich das der mit normal arbeitendem Verstand gesegnete Mensch denkt (wer’s kaputt macht, zahlt). Letztlich zahlt wieder mal und wie immer – der Steuerzahler, sei es eine Ölpest in der Nordsee oder ein Atomunfall. Und wieder kann man sich fragen, warum zwar die Allgemeinheit für die Kosten geradestehen muss, an den Gewinnen aber immer nur dieselben Grüppchen partizipieren. Dies scheint die Auslegung des Begriffs Solidarsystem im 21. Jahrhundert zu sein.
  • Apropos Solidarsystem: Wieder mal wurde an der Reform der Krankenversicherung gearbeitet. Wieder mal kam nur eines heraus: steigende Beiträge für die Versicherten. Die Arbeitgeber dürften sich  die Hände reiben, die Versicherten sich auf das einstellen, was sie zur Genüge kennen: zahlen, zahlen, zahlen. Oder verrecken.
  • Dann ist da ja auch noch das unsägliche „Sparpaket“ der Regierung. Eines der Highlights ist die Streichung von Heizkostenzuschüssen für ALG-II-Empfänger. Da hat wohl wer beim Sarrazin abgeschrieben. So ein Pullover ist halt doch eine ganz tolle Alternative zur Heizung. Jedenfalls fürs Proletariat.
  • In all dem (selbst fabrizierten) Schlamassel fällt dem gemeinen CDUler nichts Besseres ein, als nach Roland Koch zu weinen. Entbehrt immerhin nicht einer gewissen Logik: Vielleicht fällt dem ja mal wieder was über ein paar „jüdische Vermächtnisse“ ein; die könnten dann anstatt den CDU-Wahlkampf die Staatskasse bereichern.
  • Und dann noch aus der Rubrik „Worüber die Medien zu berichten vergaßen“: Nicht nur Google und Facebook sind sammelwütig, sondern auch die EU. Dient natürlich nur der besseren Strafverfolgung von Pädosexuellen. Ganz ehrlich, ich schwör.

nachgetragen

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Krokodilstränen

Nun ist es also raus: Die schlimmste Umweltkatastrophe der US-Geschichte ist „das direkte Ergebnis rücksichtsloser Entscheidungen und Aktionen von BP“. Behauptet jedenfalls der Miteigentümer Anadarko, ein US-amerikanischer Erdölkonzern. Weiterhin wird deren Chef James Hackett zitiert, im Umgang mit den Sicherheitsvorschriften für die Ölbohrung habe sich BP entweder „schwerwiegende Fahrlässigkeit oder bewusstes Fehlverhalten“ zuschulden kommen lassen.

Es ist wirklich sehr lobenswert, derartige Missstände aufzudecken. Vielen Dank dafür, Mr. Hackett. Ihre Krokodilstränen kommen allerdings einen winzigen Hauch zu spät. Warum haben Sie nicht früher etwas gegen diese Ihnen offenbar bekannten Missstände unternommen? Als 25-prozentiger Miteigentümer haben Sie doch sicher auch einiges zu sagen? Oder hat man einfach nicht auf Sie gehört? Aber warum haben Sie sich denn nicht an die Behörden oder an die Öffentlichkeit gewandt in Ihrem edelmütigen Bestreben, Fahrlässigkeit oder bewusstes Fehlverhalten im Umgang mit Sicherheitsvorschriften anzuprangern und abzustellen?

Ach so … Vorher sprudelten die Gewinne in Ihre Taschen und nicht das Öl ins Meer. Wo es sich doch viel billiger produzieren lässt, wenn man diese lästigen Sicherheitsvorschriften, sagen wir mal, großzügig auslegt. Hätte ich Dummerchen ja auch gleich draufkommen können. Tut mir so leid, ich wollte Sie natürlich nicht als Heuchler dastehen lassen, Mr. James Hackett von Anadarko, Miteigentümer der Ölförderanlage „Deepwater Horizon“, deren Explosion und Untergang die Ursache für qualvolles Verrecken ungezählter Tiere und Vernichtung der Lebensgrundlagen ebenso ungezählter Menschen ist. Nur gut, dass Sie dafür überhaupt kein bisschen verantwortlich sind und weiterhin mit reinem Gewissen schlafen können.

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P.S.: Sollten Sie oder BP Bedarf an einem neuen Vorstandsvorsitzenden haben, betrachten Sie dies bitte als Bewerbung. Ich bin weder Ingenieur noch Meeresbiologe und ich verspreche, niemals einen Fuß auf eine Bohrinsel zu setzen. Auch leide ich öfter mal unter partieller Amnesie. Und wenn es kritisch wird, überlasse ich das Krisenmanagement gern und ohne Widerspruch anderen und regeniere mich ganz still auf meiner Segelyacht. Im Erfinden von blöden Ausreden kann ich außerdem mit Mr. Hayward locker mithalten. Möglicherweise bin ich ein kleines bisschen zu wenig skrupellos, aber das lerne ich sicher schnell (oder wird man so geboren?). Ich denke, damit bin ich für den Posten bestens geeignet und freue mich auf die baldige Ernennung.

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Effizient gearbeitet

Weil CO2 an sämtlichen Umweltproblemen der Welt allein schuld ist Weil es gar so wichtig ist, den Eindruck zu erwecken was für Umwelt- und Klimaschutz zu tun, soll die „Energieeffizenz“ von Autos zukünftig mit Buchstaben von A bis F und schön bunt mit Farben von Dunkelgrün (gut) bis Dunkelrot (böse) gekennzeichnet werden.
Wunderbar. Erneut ein Glanzstück deutscher Lobbyarbeit.

Zunächst mal geht es in diesem Fall nur um den CO2-Ausstoß.

Fliegt da reines CO2 aus dem Auspuff? Gibt es nicht noch den einen oder anderen fiesen Stoff, den man auch nicht so richtig gern einatmet? Ach ja, CO2 ist ja der Klimakiller (waren das nicht mal die Fluorchlorkohlenwasserstoffe? Wie geht’s eigentlich dem Ozonloch?).

Auf einen Blick zu sehen, wie viel CO2 ein Auto in die Luft bläst, wäre vielleicht noch leidlich interessant gewesen. Immerhin, netter Versuch. Bis die Autoindustrie ins Spiel kam. Die kann natürlich ihre Umsätze Kunden nicht im Regen stehen lassen. Wo käme man denn da hin, wenn ein Porsche-Cayenne-Fahrer mit einem dunkelroten F zufrieden sein müsste? Das Image wäre total hinüber! Wer würde solche Dreckschleudern tollen Autos dann noch kaufen wollen?

Also nennt man das Ganze einfach „Energieeffizienz“.

Benzinverbrauch? Hat der nicht auch irgendwas mit Energie zu tun? Gibt es überhaupt einen Grund, den zu verringern?

Um die „Energieeffizienz“ zu berechnen, soll nun das Gewicht des Autos einbezogen werden. Ist ja auch gerecht. Wenn ein 2,5-Tonnen-Auto nur knapp 200 Gramm CO2 pro Kilometer(!) in die Luft bläst, ist das doch echt effizient. Da kann ein Kleinwagen mit 100 Gramm Ausstoß nicht mithalten. Gemessen am Gewicht ist das im Verhältnis viel weniger effizent. Es ist schließlich alles relativ. Und wen interessieren denn bitte acht Liter Benzinverbrauch? Wichtig ist doch, dass die Nachbarn sehen, dass man sich das locker leisten kann!

Immerhin muss man ja auch an die Arbeitsplätze denken. Wie soll das gehen, wenn der Papa nicht mehr für den nötigen Nachschub an Spielekonsolen sorgen kann? Was soll Mariechen dann im Sommer den ganzen Tag machen? Wer sein Kind liebt, lässt es doch nicht draußen spielen!

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Früher trieben sich die Kinder im Sommer bei schönem Wetter den ganzen Tag draußen(!) herum und teilweise sogar auf der Straße(!!) (deshalb hatten die Pseudogeländewagen diese praktischen KinderKuhfänger vor dem Kühlergrill).

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die Energieeffizienz. Nachdem wir also festgestellt haben, dass Benzinverbrauch mit Energieeffizienz nichts zu tun hat und dass ein Ausstoß von 200 Gramm CO2 effizienter ist als einer von 100 Gramm, bleibt nicht mehr viel zu sagen als: danke, Autolobby!

nachgetragen


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