Fußball-WM: Eine Bilanz

Auch wenn es sich bekanntermaßen bei Spielen großer Fußballturniere nur um 22 bekloppte Millionäre handelt, die einem Ball hinterherrennen: Es macht trotzdem Spaß, zuzuschauen und mitzufiebern!

Nun hat es nicht ganz gereicht für die spielerisch beste deutsche Herren-Fußball-Nationalmannschaft, die ich persönlich jemals gesehen habe. Fürs kleine Finale am Samstag bleiben die Däumchen weiterhin fest gedrückt – wenn schon nicht offizieller Weltmeister, dann hoffentlich wenigstens Weltmeister der Herzen.
Was auch immer passiert, die deutschen Fußballer können hocherhobenen Hauptes nach Hause kommen – danke für die schönen Spiele, Jungs!

Nichtsdestotrotz bedeutet Mitfiebern bei der Fußball-WM ja nicht zwangsläufig, das Resthirn abzuschalten. Schauen wir mal, was in den letzten Wochen mehr oder weniger klammheimlich im Schatten des Fußballs angeleiert, losgetreten oder durchgewunken wurde. Ganz spontan fällt mir ein (ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit oder chronologisch richtige Reihenfolge):

  • Swift. Gestern wurde das in Sachen Datenschutz ach so gar nicht akzeptable Abkommen vom Europäischen Parlament durchgewunken. Damit können die USA ungestört in den Daten europäischer Überweisungen schnüffeln – alles im Namen der Terrorismus-Bekämpfung, versteht sich. Datenschutzrechtlich ist jetzt alles gut, denn jetzt soll ein europäisches Büro eingerichtet werden, das die Daten so aufbereitet, dass nicht mehr ganze Datenpakete pauschal an die USA übergeben werden. Schon in fünf Jahren soll es seine Arbeit aufnehmen.
  • Die Ölpest im Golf von Mexiko erscheint in den Medien nur noch unter ferner liefen. Der Mensch gewöhnt sich eben an alles. Wenn das auch für das Trinken ölverseuchten Wasser gilt, dann sind wir evolutionär einen echten Schritt nach vorn gekommen. Blöderweise stellt sich heraus, dass die Haftungsfrage für solche Umweltkatastrophen keineswegs so klar zu beantworten ist, wie sich das der mit normal arbeitendem Verstand gesegnete Mensch denkt (wer’s kaputt macht, zahlt). Letztlich zahlt wieder mal und wie immer – der Steuerzahler, sei es eine Ölpest in der Nordsee oder ein Atomunfall. Und wieder kann man sich fragen, warum zwar die Allgemeinheit für die Kosten geradestehen muss, an den Gewinnen aber immer nur dieselben Grüppchen partizipieren. Dies scheint die Auslegung des Begriffs Solidarsystem im 21. Jahrhundert zu sein.
  • Apropos Solidarsystem: Wieder mal wurde an der Reform der Krankenversicherung gearbeitet. Wieder mal kam nur eines heraus: steigende Beiträge für die Versicherten. Die Arbeitgeber dürften sich  die Hände reiben, die Versicherten sich auf das einstellen, was sie zur Genüge kennen: zahlen, zahlen, zahlen. Oder verrecken.
  • Dann ist da ja auch noch das unsägliche „Sparpaket“ der Regierung. Eines der Highlights ist die Streichung von Heizkostenzuschüssen für ALG-II-Empfänger. Da hat wohl wer beim Sarrazin abgeschrieben. So ein Pullover ist halt doch eine ganz tolle Alternative zur Heizung. Jedenfalls fürs Proletariat.
  • In all dem (selbst fabrizierten) Schlamassel fällt dem gemeinen CDUler nichts Besseres ein, als nach Roland Koch zu weinen. Entbehrt immerhin nicht einer gewissen Logik: Vielleicht fällt dem ja mal wieder was über ein paar „jüdische Vermächtnisse“ ein; die könnten dann anstatt den CDU-Wahlkampf die Staatskasse bereichern.
  • Und dann noch aus der Rubrik „Worüber die Medien zu berichten vergaßen“: Nicht nur Google und Facebook sind sammelwütig, sondern auch die EU. Dient natürlich nur der besseren Strafverfolgung von Pädosexuellen. Ganz ehrlich, ich schwör.

nachgetragen

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Fußball-WM I.: Haste Töne!

Nein, das hier wird nicht der gefühlt 850-millionste Beitrag über die schlimmen Vuvuzelas, auch wenn ihr Brummen mir bei Fußballübertragungen einigermaßen auf die Nerven geht. Egal, ich halte das aus.

Im Internet konnte man bereits am 12. Juni lesen, wie simpel es wäre, das Vuvuzelagedröhne aus einem Tonsignal herauszufiltern. Die Verschwörungstheorie (es ist nicht gewollt) gab’s kostenlos dazu. Dachte ich zumindest, also dass es eine Verschwörungstheorie sei. Bis heute.

Heute gibt uns der WDR auf seinen Internetseiten technisch total ausgetüftelte Tipps, wie man das lästige Brummen loswird. Völlig ernst gemeint wird in diesem Beitrag erklärt, dass „moderne Flatscreen-TVs“ über die Möglichkeit zur Klangregelung verfügen, mittels derer man die lästigen Frequenzen herausfiltern kann. Obendrauf bekommt man noch die „Profi-Variante“ geliefert, die empfiehlt, den Fernsehton in den Computer zu leiten und dort per Software zu filtern.

Wow, toll!

Ich hoffe, die Techniker bei ARD, ZDF und Konsorten (zum Beispiel beim WDR) lesen das auch! Vielleicht schaffen sie sich dann ja einen modernen Flatscreen-TV an. Oder gar einen … (Achtung, jetzt wird’s gewagt:) Computer! Dann könnten sie das Signal schon filtern, bevor sie es senden! Echt wahr, ohne Scheiß jetzt, ich schwör!

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Wie mir aus gut unterrichteten Kreisen zugetragen wurde, wird im nächsten Service-Beitrag des WDR erklärt, wie Fernsehbilder per Ikonograph produziert und per Semaphoren-System gesendet werden.

nachgetragen

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